Ein Fuchs läuft am Morgen über die Straße (Symbolbild). Foto: dpa/Heikki Saukomaa

Die Bergmannstraße in Kreuzberg sorgt mit Neuerungen immer wieder für Gesprächsstoff. Ich verfolge die Entwicklung mit viel Interesse, obwohl ich am anderen Ende der Stadt wohne. Mal ließ das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf den Parkplätzen Parklets zum Verweilen errichten, mal wurden Findlinge auf freie Parkplätze gelegt, um den Verkehr in dem quirligen Kiez zu beruhigen, mal irritierten gelbe Punkte auf der Straße die Verkehrsteilnehmer.

Parklets, Felsbrocken und gelbe Punkte verschwanden nach Protesten wieder aus dem Straßenbild. Nun gibt es eine neue Attraktion, die so schnell den Kiez wohl nicht verlassen wird – den Bergmannfuchs. Er strolcht bei Tag und Nacht durch die Straßen und Cafés. Schaut gerne neugierig in die Hauseingänge, liegt auch mal faul in der Mittagssonne.

Der Bergmannfuchs hat mittlerweile unter @derbergmannfuchs einen eigenen Instagram-Account, und dürfte damit der erste Fuchs in Berlin sein, der in den sozialen Medien aktiv ist. Ein Fotograf hat das Leben des Stadtfuchses im Bild festgehalten. Mal hat das umtriebige Tier in einer Sommernacht eine Packung Eier im Maul, „Gute, nachhaltige Bioeier – denn mit nichts weniger gibt sich der Bergmannfuchs zufrieden“, heißt es auf Instagram.

Mal sitzt er mitten auf dem Gehweg, schaut mit gereckter Schnauze wie ein Modell direkt in die Kamera, und schafft es dabei, „minutenlang nicht zu blinzeln, damit das beste Foto gelingt“. Und selbst mit Journalisten weiß der Fuchs umzugehen. Er lasse Fragen bezüglich seines Privatlebens stets unkommentiert, heißt es.

Mittlerweile folgen dem Bergmannfuchs bereits mehr als 2500 Fans auf Instagram, und natürlich gehören zu den Abonnenten die Handballer der Füchse Berlin. Damit erlangt das Tier langsam Berühmtheit. Selbst das Fernsehen hat das Sternchen am Social-Media-Sternenhimmel bereits entdeckt und richtigerweise darauf hingewiesen, dass Wildtiere nicht gefüttert werden sollten.

Und auch Kollegen, die dort wohnen oder deren Heimweg durch den Kiez führt, kennen das Tier bereits, weil sie ihm leibhaftig begegnet sind. Mitten am Tage. Ich war bisher erfolglos, auch wenn ich ab und zu in der Bergmannstraße in einem Café sitze oder dort durch die Läden streife.

Am Sonntagmorgen bin ich extra in den Kiez gefahren, der noch fast menschenleer war. Es regnete. Ich lief eine halbe Stunde die Straße hinauf und hinunter. Ich hatte kein Glück, die Begegnung fiel aus. Entweder schlief der Bergmannfuchs noch, oder er scheute die Nässe von oben. Dabei verkündet der Fuchs auf seiner Instagram-Seite: Wer ihn suche, der werde ihn finden.

Wie ich erfuhr, war der Sonntag wohl der falsche Tag für eine Begegnung. Auf der Instagram-Seite las ich später, der Fuchs gönne sich„für gewöhnlich einen schnellen Snack“ in einem der Cafés oder Restaurants in der Bergmannstraße. Allerdings nicht sonntags, sondern am Mittwoch.