Für Autos und Fahrräder gesperrt: der Nordteil der Danneckerstraße im Friedrichshainer Rudolfkiez. Foto: Berliner KURIER/ Markus Wächter

Nach den Pop-up-Radwegen und Pop-up-Spielstraßen bekommt Berlin jetzt Pop-up-Parks. Wenn es darum geht, Autofahrern Platz wegzunehmen und ihn anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, zeigt das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ein hohes Maß an Kreativität. Als erstes ist nun ein Teil der Danneckerstraße im Friedrichshainer Rudolfkiez für Kraftfahrzeuge gesperrt worden. Weitere Straßen im Bezirk sollen folgen.

„Wir wollen den öffentlichen Raum in unserem dicht besiedelten Bezirk gerechter verteilen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann. „Mit der ersten temporären Klimastraße Berlins wollen wir deutlich machen, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte“ – grüner und ohne Autos. Am Nordende der Danneckerstraße, wo am Rand bis zu 26 Autos parken konnten, halten jetzt rot-weiße Barrieren fast alle Fahrzeuge draußen. Nur Einsatzfahrzeuge dürfen passieren. Nebenan wurde eine Lieferzone eingerichtet.

Auf dem Kopfsteinpflaster hat der Bezirk 20 Pflanzkübel aufgestellt. Umweltstadträtin Clara Herrmann (ebenfalls Grüne) zählt auf: „Linde, Ahorn, Flieder, Felsenbirne, Haselnuss“ – robuste Gehölzarten, die mit der Erderwärmung besser zurechtkommen als andere. „Mit der Begrünung leisten wir einen Beitrag zum urbanen Klimaschutz“, sagt sie. „Bäume filtern die Luft und spenden Schatten.“ Ein kleiner Beitrag, um Berlin zu kühlen. In Wien und Köln gibt es bereits Klimastraßen.

Damit die zehn Bäume und zehn Sträucher mit Wasser versorgt werden, übernehmen Anwohner Gieß-Partnerschaften. „Wir freuen uns darüber, dass es hier so engagierte Bürger gibt“, so die Bürgermeisterin. Verkehrsberuhigung und mehr Grün gehören zu den Hauptthemen, sagt Peter H. Rose. Der Diplom-Kaufmann im Ruhestand, der seit zehn Jahren im Viertel wohnt, ist Vorstandsvorsitzender des Vereins Kulturraums Zwinglikirche, der den Dialog organisiert. Am Freitag nutzten bereits einige Kinder den Pop-up-Fußgängerbereich am Rudolfplatz. Parkprobleme erwartet Rose nicht. „Seitdem wir im Kiez Parkraumbewirtschaftung haben, hat sich die Parksituation entspannt“, sagt er. Im Umkreis seien häufig noch Parkplätze frei.

Trotzdem gibt es Kritik. „Schwachsinn“, rief ein Bürger, der zufällig in die Eröffnungszeremonie geriet. „100 Prozent Bodenversiegelung. Populistischer Aktionismus. Sonst nichts“, hieß es in einem Eintrag bei Twitter. „Diese Klimastraße soll also eine ‚grüne Oase zur Naherholung‘ werden. Sieht für mich eher nach fadenscheinigem Vorwand zur Vergrämung des Autoverkehr aus“, so ein anderer Tweet. „Kann man wollen – sollte man dann aber ehrlich so sagen.“ Bemängelt wurde auch, dass der Bezirk woanders Grünanlagen vernachlässige.

Die straßenverkehrsrechtliche Anordnung, die Basis der „Klimastraße“ ist, gilt zunächst bis Ende August. Doch wie bei den Pop-up-Bikelanes, deren juristische Grundlage bereits bis zum Jahresende verlängert worden ist, ist auch hier eine Fortführung beabsichtigt, hieß es. Zudem seien weitere Pop-up-Fußgängerbereiche vorgesehen, sagte Olaf Rabe vom Straßen- und Grünflächenamt. Auf der Liste stehen der Schleidenplatz im Samariterkiez, ein kurzer Abschnitt der Krautstraße (ebenfalls in Friedrichshain) sowie der Lausitzer Platz in Kreuzberg.

Mit den ersten Pop-up-Radwegen Deutschlands hatte der Bezirk im Frühjahr Furore gemacht. Auch auf der Lindenstraße in Kreuzberg und der Warschauer Straße am U-Bahnhof sollen provisorische Radfahrstreifen mit Baken abgesteckt werden, kündigte Rabe an. Wenn im kommenden April der Schienenersatzverkehr entlang der Kreuzberger Hochbahn endet, sollen die heutigen Kombispuren für Busse und Fahrräder ganz den letzteren vorbehalten werden. Aber auch das Busspurnetz soll wachsen – schon in diesem Jahr in der Urban- und Yorckstraße.