Das BFC-Logo weht auf einer Eckfahne: Jahrelang ist das Jahn-Stadion Heimspielstätte des Berliner Vereins. Foto: imago-images/Wells

Es gibt ein neues Problem mit dem maroden Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg, das die Senatssportverwaltung abreißen will. Bald müssen dort Berliner Vereine wichtige Fußballspiele absolvieren. Doch sie dürfen die Arena nicht betreten. Grund ist die Verlängerung der Betriebsgenehmigung für das Stadion, die der Senat angekündigte, aber die noch immer nicht erteilt wurde.

Die Zeit drängt. In knapp einem Monat startet die Fußball-Regionalliga Nordost. Dort sind auch die Berliner Vereine BFC Dynamo und VSG Altglienicke vertreten. Doch nun stehen sie vor dem Saisonstart ohne ihre Hauptarena da. Denn für das Jahn-Stadion, das beide Klubs bisher für ihre Heimspiele nutzten, lief am 30. Juni die Betriebserlaubnis aus. Seitdem ist die Anlage für sämtliche Sportveranstaltungen gesperrt.

„Dieser Zustand wird so lange andauern, bis eine Verlängerung der Genehmigung durch den Brandschutzprüfer vorliegt“, sagt Tino Brabetz, Sprecher der Senatssportverwaltung. Trotz der bautechnischen Mängel am Stadionbau hatte die Behörde bereits im Juni eine Ausweitung der Betriebserlaubnis für ein halbes Jahr beantragt. Damit der BFC und die VSG Altglienicke ihre Heimspielstätte wenigstens bis zum geplanten Abriss der Arena noch nutzen können. „Doch noch immer liegt uns keine Genehmigung vor“, sagt Brabatz dem KURIER.

Sportforum Hohenschönhausen als Alternative

„Das stellt uns vor eine schwierige Situation“, sagt BFC-Sprecher Martin Richter. Denn der Verein muss schon am ersten Augustwochenende im Jahn-Stadion antreten, wo das Halbfinalspiel im Berliner Landespokal gegen Altglienicke nachgeholt werden soll, das wegen der Corona-Krise im März ausfiel. „Allein dem Senat obliegt es nun, sich um die Betriebserlaubnis für das Jahn-Stadion zu kümmern“, sagt Richter. Falls die nicht rechtzeitig käme, müsse der Verein auf andere Plätze ausweichen.

Eine Alternative wäre für den BFC das Sportforum Hohenschönhausen. Doch auch diese Stätte zeigt Mängel. Der Fußballplatz wurde zwar vom DFB als drittligatauglich befunden, hat aber „den berühmten Charme vieler maroder Plätze in Berlin“, so ein Insider.

Das Sportforum wäre die alternative Arena für den BFC. Foto: imago-images/Koch

Der Senat plant Instandsetzungsarbeiten. Aber die dafür vorgesehenen drei Millionen Euro liegen auf Eis. Der Grund: Sie sind Bestandteil der 14 Millionen Euro, die der Senat für den Abriss des Jahn-Stadions geplant hat und die der Hauptausschuss im Abgeordnetenhaus sperren ließ, weil es noch kein Gesamtkonzept für den Jahnsportpark gibt. 

Die Sportverwaltung bemüht sich gerade um die Teilfreigabe der drei Millionen für das Sportforum. Das Gesamtkonzept für den Jahn-Sportpark soll noch im August fertig und nach der Sommerpause dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden.

Anforderungen an den Blitzschutz nicht erfüllt

Die VSG Altglienicke ist noch mehr als der BFC auf das Jahn-Stadion angewiesen. Denn der Klub besitzt derzeit keine geeignete Arena. Man müsste im Notfall beispielsweise ins Hertha-Amateurstadion. 

Selbst der Berliner Fußballverband braucht die Verlängerung der Betriebserlaubnis für das Jahn-Stadion. „Am 22. August soll dort das Finale des Landespokals der Amateure stattfinden“, sagt Sprecherin Vera Krings. „Es entscheidet auch darüber, welche Amateur-Mannschaft im DFB-Pokal mitspielen wird. Wir setzen auf die Politik, hoffen, dass in den kommenden Tagen die Verlängerung der Betriebserlaubnis kommt.“

Doch auf diese wartet die Senatssportverwaltung schon seit über einen Monat. Offenbar tut sich der beauftragte Brandschutzprüfer mit der Erstellung der Genehmigung schwer. Denn in bereits vorangegangenen Gutachten wurde stets auf die katastrophalen Bau- und Sicherheitsmängel des Stadions hingewiesen.

Eine Arena für zwei Klubs: Im Februar spielte der BFC im Jahn-Stadion gegen Altglienicke, hier Andreas Pollasch (li.) mit Tugay Uzan im Zweikampf. Foto: imago-images/Koch

Sie betreffen vor allem das Tribünengebäude. Etwa bei Unwettersituationen müssten dieses und das Stadion komplett geräumt werden, teilte Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) bereits im Frühjahr mit. Tragwerke des Gebäudes, Trennwände und Tragwerk des Daches entsprächen insgesamt nicht den geforderten Feuerwiderstandsklassen. Weiter hieß es, dass Anforderungen an den Blitzschutz nicht erfüllt werden, da die Spannung über das Stahlskelett des Gebäudes und damit verbundene Geländer-Teile abgeleitet wird.

Dennoch hofft die Sportverwaltung auf eine Verlängerung der Betriebserlaubnis bis zum Jahresende. „Die Prüfer müssen genau ausloten, was geht und was nicht“, sagt Sprecher Brabetz. Denkbar wäre auch eine Teilgenehmigung, die Sportveranstaltungen unter bestimmten Einschränkungen erlaubt.