Das große Stadion im  Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark: Der Abriss ist für den Senat beschlossene Sache. Foto: imago-images/Schöning

Das Todesurteil für das Jahn-Stadion beginnt zu wackeln. Noch vor wenigen Tagen bekräftigte der Senat erneut, die marode Arena abzureißen. Doch in Wahrheit hat er nicht einmal einen Cent, um die Arbeiten im Herbst beginnen zu lassen.

Die Sportverwaltung will seit Jahren im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark eine neue Arena für 120 Millionen Euro errichten. Denn dort soll 2023 ein Teil der Special Olympics World Summer Games für Sportler mit Behinderungen stattfinden. Und so machte  Staatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) gerade erst wieder in der Beantwortung einer Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto klar, dass das jetzige Stadion abgerissen wird.

Dabei gibt es nicht einmal die Gelder für den Abriss der 1951 erbauten Arena, erklärt nun Otto dem KURIER. Denn im Haushaltsplan 2020/2021 sind die dafür vorgesehenen 14 Millionen Euro gesperrt worden. So lange, „bis ein Gesamtkonzept für die Entwicklung von Stadion und Sportpark vorliegt“, steht im Etat. Für das Erstellen des Papiers und der Baupläne soll nun die Behörde von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sorgen.

Selbst wenn irgendwann ein Konzept vorliegt, fließt noch lange kein Geld. Dafür sorgt ein Vermerk im Landeshaushalt: „Nur mit Einwilligung des Hauptausschusses des Abgeordnetenhauses“ kann die Sperre für die Abriss-Millionen aufgehoben werden. 

Ein Grund, warum der Senat nun selber den für Herbst geplanten Abrisstermin hinauszögern will. Die Sportverwaltung erklärte am Donnerstag, die Betriebserlaubnis für das Stadion verlängern zu lassen, die am 30. Juni endet. So könnten die dortigen Vereine (wie der BFC Dynamo) die Arena bis Jahresende, spätestens bis Frühjahr 2021, weiter nutzen. Erst dann sollen die Abriss-Arbeiten starten.

Pankows Bürgermeister kritisiert Neubau-Pläne

Für Kritik sorgt, dass die Senatssportverwaltung weiter am teuren Stadionneubau festhält, eine Sanierung der alten Arena als mögliche kostengünstigere Alternative ablehnt und dies noch nicht einmal prüfen will. Diese Haltung kommt vor allem in der Pankower Bezirkspolitik nicht gut an.  

Zwar sei der Bezirk nicht „entschieden gegen den Abriss“, so Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke). „Allerdings sind wir bisher nicht überzeugt, dass ein Ersatzbau notwendig und dringlich ist“, sagt er dem KURIER. Dies müsse man gerade jetzt „im Licht der neuen finanziellen Lage des Landes bewerten müssen.“

Damit spielt Benn auf die zusätzlichen Kosten an, die Berlin nun wegen der Corona-Krise aufwenden muss. Um diese abfedern zu können, forderte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) von den Bezirken,  160 Millionen Euro einzusparen. Pankows Bezirkschef stellt klar: Der Bezirk wird sich weiterhin „im Rahmen der Behördenbeteiligung als auch politisch mit seinen Fragen und Sichtweisen“ zum Umbau des Jahn-Sportparks einbringen.

Ob ein Stadion-Neubau  für 120 Millionen Euro überhaupt noch sinnvoll ist, müsse man sich nun ernsthaft im Senat fragen, meint auch der Grüne-Abgeordnete Andreas Otto. „Die Bedingungen haben sich geändert“, unterstreicht er. 

Etwa mit dem  Abfallwirtschaftskonzept 2020 bis 2030, das der Senat im Mai beschloss. Darin steht, dass der Erhalt von Gebäuden Vorrang gegenüber dem Abriss hat. „Die jetzige Koalition ist nicht nur dem Sport, sondern auch der Umwelt besonders verpflichtet. Deshalb brauchen wir eine Sanierungsvariante für das  Jahn-Stadion“, sagt Otto.