Stella Veneziano und Niklas Kluger an ihrem WG-Hochbeet.
Foto: camcop media / Andreas Klug

Sie heißen Möhrchen oder Bernhard, sind aber keine Lebewesen. Auch wenn Vera Riwka (31) den knuffigen Tierchen mit Nadel und Garn eine gewisse Form von Leben einhaucht. Die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau häkelt seit Kurzem Stofftiere. Angefangen hat alles mit einem Häkelset, das Riwka zu Beginn der Krise beim Rumstöbern in einem Laden entdeckt hat: „Ich habe vorher noch nie gehäkelt und dachte mir, das probiere ich jetzt aus“, erzählt sie dem KURIER. Bis sie ihre erste Puppe in den Händen halten konnte, dauerte es rund eine Woche. Mittlerweile hat Riwka bereits einige Stoffspielzeuge gehäkelt, die sie an die Kinder von Freundinnen verschenkt. Seitdem meldet auch ihr Bruder Ansprüche auf einen von ihr gestrickten Pullover an, sagt sie lächelnd. Riwka kann nur Gutes an ihrem neuen Hobby erkennen: „Häkeln entspannt und man verbringt viel weniger Zeit in der digitalen Welt. Ich werde auch nach der Corona-Krise damit weitermachen.“

Vera Riwka vertreibt sich die Corona-Zeit mit Stricken
Foto: camcop media / Andreas Klug

Etwas aufbauen will sich auch Niklas Kluger (27). Der Student für Ressourcen-Management wollte eigentlich gemeinsam mit einem Bauern draußen auf dem Feld eine Permakultur anlegen. Doch in der Corona-Krise hat er sich kurzerhand entschieden, das nachhaltige Gartenbau-Konzept einfach auf den eigenen Balkon zu verlagern. Zusammen mit seiner Mitbewohnerin Stella Veneziano (26), die im Bereich der Nachhaltigkeitsberatung arbeitet und Erfahrung in der Konstruktion von Hochbeeten hat, hat er sich aus zwei Paletten, alten Holzbrettern, Teichfolie, Vlies und Nägeln ein solches Hochbeet gebaut. „Ein Dreischichtsystem ist wichtig: ganz unten grobes Material wie Kies oder Stöcke, in der Mitte eine feinere Schicht, beispielsweise aus Blättern, und oben dann Humuserde“, sagt Kluger. Im Hochbeet haben seine Mitbewohnerin und er unter anderem Tomaten und Karotten angepflanzt. Ganz besonders freut sich Kluger auf eine Sache: „Die angebauten Kräuter wie Dill, Schnittlauch, Petersilie und scharfe Jalapenos bringen sicher eine schöne Würze ans Essen.“

Stella Veneziano und Niklas Kluger an ihrem WG-Hochbeet
Foto: camcop media / Andreas Klug

Thomas Sobotzki (52) hatte die Idee für sein Projekt nicht zu Hause, sondern bei einem Spaziergang. Nachdem er ein Foto von einem Gebäude in Reinickendorf mit der Bildunterschrift „Wo bin ich?“ online stellte, kam ihm der Gedanke zu einem Rätsel über seinen Stadtteil. Seit diesem Zeitpunkt entwirft der freiberufliche Fotograf pro Tag rund zwei Rätsel über Orte und Plätze in Reinickendorf, so zum Beispiel über die Villa Borsig, den Poloplatz oder den Tegeler Fließ. Die Rätsel postet er täglich in der Facebook-Gruppe „Unser Reinickendorf“.

Thomas Sobotzki beschäftigt sich mit Rätsenl im Bezirk Reinickendorf.
Foto: camcop media / Andreas Klug

Zu einfach will Sobotzki es seinen Mitbürgern dabei nicht machen: „Die Leute sollen schon ein paar Minuten überlegen.“ Echte Spürnasen bekommen für des Rätsels Lösung einen virtuellen „Reinickendorfer Rätselorden“ per Facebook-Nachricht verliehen. Und für die Zeit nach Corona hat Sobotzki noch eine schöne Idee: „Ich überlege, die drei besten Mitbürger bei einem Picknick zu ehren.“