In Karlshorst gibt’s immer mehr Kultur – dafür sorgen auch Mario Rietz, Initiator der „Theatergasse“, Kerstin Janke und Inga Bloch vom Ikarus-Stadtteilzentrum. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Eigentlich sollte der Lichtenberger Ortsteil Karlshorst in diesem Jahr sein 125-Jahre-Jubiläum feiern – doch die Corona-Pandemie machte dem Fest einen Strich durch die Rechnung. Wer nun denkt, entlang der Treskowallee herrscht Langeweile, der irrt sich: Mehrere Initiativen machen den beliebten Kiez zum Geheimtipp für Kultur-Fans.

Der Kiez zwischen Friedrichsfelde und Schöneweide wird schon seit längerer Zeit immer beliebter bei jungen Leuten und Familien. In Karlshorst spielt die Musik – und nun sogar richtig: Der Platz vor dem ehemaligen Theater, das seit Jahren leer steht, hat sich in den vergangenen Wochen zum heimlichen Konzert-Treffpunkt entwickelt! Jede Woche spielen hier Musiker für die Anwohner.

Kürzlich spielten Dirk Zöllner und André Gensicke auf dem Platz. Foto: Facebook/Karlshorst Theatergasse Für Alle

Eine Initiative, die aufgrund der Corona-Pandemie entstand. „Unsere Idee war es, den Künstlern, die aufgrund der Krise kein Geld verdienen konnten, einen Platz zum Spielen zu geben“, sagt Organisator Mario Rietz dem KURIER. Im Juli und August spielte etwa das „Neue Posaunenquintett“ des Rundfunksinfonieorchesters, außerdem kam Andrej Hermlin mit seinen „Swingin’ Hermlins“ vorbei. Die Idee funktionierte: Die Karlshorster kamen, brachten ihre eigenen Stühle mit, machten es sich mit Abstand auf dem Platz gemütlich. „Lagerfeuer-Atmosphäre“, sagt Rietz.

Er selbst sei Karlshorster, fühle sich dem Kiez verbunden – auch die Konzertreihe soll nun helfen, das Zentrum zu beleben. „An diesem Ort fand jahrzehntelang Kultur statt, das alte Theater ist der erste deutsche Theater-Neubau der Nachkriegszeit. Wir bringen damit wieder Kultur an den geschichtsträchtigen Ort.“ Auch André Herzberg und Dirk Zöllner spielten bereits hier. Nächste Termine: Am 12. September ist Liedermacherin Barbara Thalheim dran – und am 18. September kommt Karussell („Als ich fortging“) aus Leipzig. Vor Ort werden Spenden gesammelt, mit denen die Unkosten gedeckt werden. Auch der Jazz Treff Karlshorst e.V. ist beteiligt, organisiert mehrere Konzerte - hier können die Besucher für den Erhalt und die Pflege der nahe gelegenen Theatergasse spenden.

Aber: Nicht nur Musik-Fans wird etwas geboten. Am Freitag, dem 11. September, gibt es für Film-Fans einen Kinoabend unter freiem Himmel – auf der Karlshorster Trabrennbahn. „Die Idee ging aus den Lichtenberger Stadtteildialogen hervor“, sagt Inga Bloch vom Stadtteilzentrum Ikarus. „Wir haben die erste Veranstaltung nun mit ehrenamtlichen Helfern geplant. Eigentlich wollten wir schon im Frühjahr mit solchen Filmabenden beginnen, aber dann kam Corona dazwischen.“ Am 11. September wird der Hape-Kerkeling-Film „Der Junge muss an die frische Luft“ gezeigt, am 9. Oktober folgt „Slumdog Millionär“ im Kulturhaus Karlshorst.