Behelmte Einsatzkräfte der Berliner Polizei sichern eine Festnahme. Dabei kommt auch ein scharfer Polizeihund zum Einsatz. Foto: F. Boillot

Normale Demonstranten und gewaltbereite Hooligans: Es war eine explosive Mischung, die sich am Sonnabend auf dem Alex versammelte. Und tatsächlich eskalierte die Situation: die rund 500 Einsatzkräfte setzten körperliche Gewalt, Pfefferspray und Diensthunde ein. Dabei kam es zu verstörenden Szenen, 86 Festnahmen und einer unbekannten Zahl von Verletzten. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sieht die Schuld an der Eskalation bei Fußball-Hooligans des BFC Dynamo, sagte er am Montag im Innenausschuss. Fotos der Proteste belegen das aber nur zum Teil. Hat die  Polizei hier überreagiert?

Etwa 1200 Menschen hatten sich ab 16 Uhr rund um den Brunnen der Völkerschaft versammelt, angekündigt war die Versammlung nicht. Die Aufforderungen der Polizei, den Alex zu verlassen, wurden nahezu vollständig ignoriert – dann eskalierte die Lage.   Es sei „zu Flaschenwürfen und Angriffen auf Polizeikräfte“ gekommen, in deren Folge „86 Personen festgenommen wurden“. Ein Polizist wurde nach offiziellen Angaben verletzt – wie viele Demonstranten und Krawallmacher Blessuren erlitten, teilte die Polizei hingegen nicht mit. Sowohl auf Pressefotos als auch auf von Demoteilnehmern im Netz veröffentlichten Videos sind jedoch mehrere Menschen mit Platzwunden und anderen Verletzungen zu sehen.

Harmlos auftretende Frauen und demonstrierende Senioren

Innensenator Andreas Geisel (SPD) sprach am Montag im Innenausschuss von Fußball-Hooligans des BFC Dynamo Berlin, die dort teilgenommen hätten. Mehrere Demonstranten seien mit „hoher Aggressivität gegen die Polizei vorgegangen“. Tatsächlich sind auf den auch von seriösen Nachrichtenagenturen wie dpa gemachten Fotos und Videos teils aggressive und muskelbepackte Männer zu sehen, die die Auseinandersetzung mit den Einsatzkräften ganz offensichtlich bewusst suchen.

Zugleich sieht man aber auch friedliche Männer mit roten Clown-Nasen, harmlos auftretende Frauen und sogar still demonstrierende Senioren. Und dazwischen teils aggressiv, teils überfordert wirkende Einsatzkräfte, die mit Pfefferspray, teils massiver körperlicher Gewalt und laut bellenden Polizeihunden gegen die Menge vorgehen.   

Politisches Nachspiel im Abgeordnetenhaus

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hieß es am Montag, man habe zwar „Verständnis für den Unmut einzelner Bürger, da die Grundrechte gerade massiv eingeschränkt sind“. Man sei aber „verpflichtet, Regeln des Gesetzgebers durchzusetzen“. Ob die Polizei dabei zu hart durchgriff, will jetzt der FDP-Politiker Marcel Luthe wissen. Und hat eine Kleine Anfrage gestellt. Dem KURIER sagte er: „Es muss im Sinne aller Beteiligten, Demonstranten wie Polizisten, schnell aufgeklärt werden, was auf welcher Grundlage wirklich geschehen ist.“