Netter Versuch: die verkehrsberuhigte Friedrichstraße. Foto: imago images/Bernd Friedel

Bei ihrem Plan, einen Abschnitt der Friedrichstraße autofrei zu machen, muss die Senatsverkehrsverwaltung mit Gegenwind rechnen. „Wir sind kein Freund von Gerichtsverfahren. Aber wenn wir veralbert werden, müssen wir uns wehren“, hieß es am Freitag in Kreisen der Gewerbetreibenden.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass gegen die Anordnung Widerspruch eingelegt wird – gefolgt von einer Klage beim Verwaltungsgericht, wenn sich der Senat weiterhin uneinsichtig zeige. Conrad Rausch kann seine Verärgerung nicht verbergen. „Das war eine Überraschung, und zwar eine unangenehme“, sagte der Sprecher des Vereins „Die Mitte“ am Freitag.

„Verkehrsversuch“ soll ein halbes Jahr dauern

In dem Netzwerk haben sich mehr als 170 Akteure aus den Bereichen Einzelhandel, Immobilien, Kultur, Dienstleistungen, Hotellerie und Gastronomie engagiert, die entlang der Friedrichstraße tätig sind. Eigentlich sollte es bei einem Workshop am vergangenen Mittwoch ab 13 Uhr um die geplante Potenzialanalyse gehen, in der Probleme und Chancen der Einkaufsmeile untersucht werden sollten. Dazu hatten die Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Verkehr sowie das Bezirksamt Mitte ins Restaurant „La Diva“ des Friedrichstadtpalastes eingeladen.

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Doch der Tagesordnungspunkt spielte fast keine Rolle.  Denn zuvor war durch einen Beitrag in der „Berliner Morgenpost“ bekannt geworden, dass die geplante Sperrung eines längeren Abschnitts der Friedrichstraße deutlich länger dauern soll als bislang angekündigt. Statt drei Monate soll der „Verkehrsversuch“, bei dem ab Anfang Juni die Effekte einer solchen Unterbrechung ermittelt werden sollte, ein halbes Jahr lang dauern.

Einstieg in dauerhafte Sperrung

Am Mittwoch ließ die Senatsverkehrsverwaltung außerdem durchblicken, dass der Test ein Einstieg in eine dauerhafte Sperrung sein sollte. „Uns fiel fast der Kaffee aus der Hand, als wir von diesem Alleingang erfuhren“, sagte Rausch.

Auch Wirtschaftsstaatssekretär Christian Rickerts, der bei dem Treffen die Begrüßung sprach, habe nicht erfreut gewirkt. Schon seit Längerem haben Mitglieder von „Die Mitte“ die Planer im Verdacht, die Friedrichstraße auf Biegen und Brechen autofrei machen zu wollen.