Immer dabei: Das Tablet ist das wichtigste  Arbeitsgerät von Theresa Brückner. Foto: camcop media/Andreas Klug

Sie trägt einen schwarzen Mini unter ihrem Talar und knallroten Lippenstift.  Diese evangelische Pfarrerin beweist: Kirche kann auch sexy sein. Theresa Brückner (33) bringt das Wort Gottes in die sozialen Netzwerke und sie hat schon viele Fans.

„Die Menschen kommen nicht mehr automatisch in die Kirche. Meine Aufgabe ist es, einen Erstkontakt zu ihnen herzustellen“, sagt Theresa Brückner. Derzeit besuchen nur noch 14 Prozent der Deutschen regelmäßig christliche Gottesdienste. Brückners Auftrag: Die Kirche moderner zu machen. Deshalb ist sie seit 2019 Influencerin im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg.

Eigentlich lautet ihre Stellenbezeichnung: Pfarrerin für Kirche im digitalen Raum im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg. Ihr Tablet darf bei keiner Beerdigung, Hochzeit und Taufe mehr fehlen. Unter „therasaliebt“ berichtet die junge Pfarrerin auf Twitter, Instagram und Facebook nicht nur über Berufliches, sondern auch aus ihrem privaten Alltag .

Bei Instagram hat sie 12.800 Follower

Theresa Brückners  Themen sind Probleme, die fast jeder aus seinem eigenen Leben kennt. Wenn sie über ihre vielen schlaflosen Nächte schreibt, weil ihr Sohn (3) erkrankt ist oder wenn sie ihre tiefe Trauer nach dem Tod eines Angehörigen ausdrückt, fühlen sich viele ihrer Leser angesprochen und finden sich darin wieder. Theresa Brückner zeigt sich ehrlich und verletzlich. Ihre Authentizität kommt bei den Menschen an. Bei Twitter hat sie 3246 Follower, bei Instagram 12.800.

„Ich erhalte viele Nachrichten von Lesern zwischen 14 und 80, die sich für meine Arbeit interessieren“, so Brückner.  Ihr Anspruch ist es, jede zu beantworten. Das könne schon mal zwei Wochen dauern, da sie viele Zuschriften erhält. Ihr wichtigste Aufgabe: Eine Begegnung mit der Kirche zu ermöglichen. „Die heutige Gesellschaft lebt online. Da brauchen wir die digitale Kirche“, sagt die Pfarrerin. Dazu zählt auch Seelsorge im Netz. Via Twitter, Facebook und Instagram nimmt sie auch Gebetsanliegen entgegen.  

In der heutigen Leistungsgesellschaft  hätten die Menschen viele Sorgen und Nöte, für die sie um Gottes Unterstützung bäten. Ursprünglich wollte Theresa Brückner mal Meeresbiologin werden, dann hat sie sich doch, wie ihr Ehemann auch, für ein Theologie-Studium entschieden. Sie diskutiert gern  in den sozialen Medien. Über Andersartigkeit, Sexismus, die Rolle als Frau und hat dabei stets eine besondere Botschaft für ihre Follower: „Gott bewertet nicht und liebt jeden einzelnen von uns.“ Theresa Brückner mag es nicht, wenn die Gesellschaft stigmatisiert. Sie selbst sei wegen ihres Kleidungsstils auch schon angefeindet worden. Sie sagt: „Wenn ich rosa Klamotten mag, trage ich sie. Auch als Pastorin. Das sagt nichts über meine Kompetenz aus.“