Dank Corona wird der Glühwein in Geschäften zur Mangelware. Foto: imago images/MiS

Es ist unfassbar. In Berliner Supermärkten wird in diesen Tagen tatsächlich doch der Glühwein knapp. So wie im Frühjahr das Klopapier massenweise aus den Regalen der Geschäfte verschwand, ist nun beim weihnachtlichen Punsch der Fall – dank Corona.

Ich komme mir vor, als hätte ich in einer DDR-Kaufhalle nach Bananen gefragt. „Ausverkauft“ oder „Haben wir nicht“: Nun vernehme ich wieder diese Worte, die mich an längst vergangene Zeiten erinnern, als ich in verschiedenen Supermärkten im Südwesten Berlins nachfrage, wo im Laden ich den Glühwein finde. Ob mit Alkohol oder als Kinderpunsch – er ist einfach nicht da.

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Dass es das Getränk in einem Markt nicht mehr zu kaufen gibt, hätte ich ja noch verstanden. Das kann passieren. Aber einige Ecken weiter ist im Geschäft der Konkurrenz der Punsch ebenfalls nicht mehr zu finden. Auch im dritten nicht, wo ich mich dann doch ernsthaft frage, wer in Gottes Namen denn jetzt massenhaft Glühwein kauft?

Schlange vor einem Glühweinstand in der Kreuzberger Grimmestraße.  Ab 16. Dezember gilt das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, den Punsch kann man nur noch zu Hause trinken. Foto: imago images/Held

Die Verkäuferin erklärt, dass dies schon seit einigen Tagen so sei. Als ich ihr sage, ich bräuchte nur eine Flasche, um daheim beim Plätzchenbacken mit meiner Frau mir ein Tässchen dieses herrlichen Punsches zu gönnen, geht die Supermarkt-Verkäuferin noch einmal ins Lager, um nachzuschauen, ob da nicht noch eine Kiste Glühwein steht. Mit schüttelndem Kopf kehrt sie zurück. „Vor einem Jahr zu dieser Zeit hatten wir noch stapelweise Glühwein“, sagt sie.

Ich fahre mit dem Auto über die berlin-brandenburgische Landesgrenze nach Potsdam. Vielleicht habe ich dort mehr Glück. Aber auch hier gibt es in den Märkten nur ein Kopfschütteln. Zumindest in einem Geschäft findet sich noch eine Flasche weißer Glühwein. Doch ein echter Punsch muss für mich schon einen Rotwein als Basis haben. So einen gibt es endlich in einem Bio-Supermarkt. Noch eine Flasche steht ganz unten in einem Regal. Doch die Freude wird getrübt. Er ist mit Muttersaft der Aronia-Beere zugesetzt. Der sei ja so gut gesund, schwört immer meine Schwiegermutter. Doch im Glühwein? Igittigitt!

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Im gefühlt zwanzigsten Laden, in dem ich nach Glühwein frage und wieder ein Achselzucken ernte,  klärt mich wenigstens der Verkäufer auf, warum dieses Gesöff derzeit Mangelware ist. Es liege an dem ab Mittwoch zu Recht geltenden Alkoholausschanksverbot im Freien, weil sich die punschtrinkenden Menschen an den Ständen  bisher oft nicht an die Abstandsregeln hielten. Dies führe nun dazu, dass jetzt jeder verstärkt Glühwein für zu Hause kaufe.

„Glühwein ist das neue Toilettenpapier, das es, wie auch Nudeln oder Fleischkonserven, mit Beginn der Corona-Pandemie plötzlich nicht mehr gab“, sagt der Mann vom Supermarkt. Nun, beim Glühwein wird es vielleicht nicht ganz so schlimm. „Am kommenden Dienstag bekommen wir wieder eine Lieferung“, verät mir der Verkäufer verschwörerisch, reicht mir zum Schluss eine Flasche Rotwein und dazu seine letzte Packung Glühwein-Fix. Das Adventsplätzchenbacken mit Punsch ist nach langer Glühwein-Suche endlich gerettet.