Ellen Teschendorf (46) darf ihre Läden "Schwesterherz" und "Küchenliebe" wieder öffnen Foto: Volkmar Otto

Ab Mittwoch beginnt im Berliner Einzelhandel die „neue Normalität“. Geschäfte bis zu 800 qm dürfen ihre Türen wieder öffnen. Doch das Bummeln durch die Läden sieht in der nächsten Zeit etwas anders aus als es die Menschen hierzulande gewohnt sind. Desinfektion, Mundschutz und Abstandsregelungen: Was für jeden einzelnen bereits in der Öffentlichkeit geboten war und immer noch ist, wird auch in den Geschäften praktiziert.

„Wir lassen nur eine gewisse Anzahl von Kunden gleichzeitig in den Laden“, sagt Christina Wille (33). Sie betreibt in Berlin zwei Filialen unter dem Namen „Loveco“, Modegeschäfte, die sich auf nachhaltige und vegane Kleidung konzentrieren. Für ihren Laden in Friedrichshain bedeutet das, dass sich nur acht Personen gleichzeitig darin aufhalten dürfen. Zwei Mitarbeiter seien da schon eingerechnet. Ihr Personal und die Kunden schützt Wille bestmöglich: „Die Mitarbeiter werden bei der Beratung von Kunden Masken tragen. Zusätzlich desinfizieren wir die Verkaufsflächen regelmäßig und bringen noch einen Spuckschutz über der Kasse an.“

Alles Maßnahmen, die auch Ellen Teschendorf (46) in ihren fünf Läden getroffen hat: „Auf dem Boden gibt es einen Aufkleber, der darauf hinweist, dass mindestens ein 1,5 Meter Abstand einzuhalten ist. Zusätzlich versuche ich noch ein Fußweg-Leitsystem für unsere Kunden aufzuzeichnen. Teschendorf verkauft in ihren zwei Läden „Schwesterherz“ vor allem Dekorationsartikel und Schreibwaren, in ihren drei Geschäften „Küchenliebe“ hat sie sich auf Küchenutensilien spezialisiert. „Vor zwei Tagen haben meine Mitarbeiter damit angefangen, die Läden erstmal zu entstauben und die Osterprodukte, die wir nicht verkauft haben, wegzuräumen“, sagt sie dem KURIER.

Die Gesundheit ihres Personals liegt ihr besonders am Herzen: „Ich habe allen meinen 20 Mitarbeitern zwei Stoffmasken zur Verfügung gestellt. So können sie immer eine tragen und eine waschen.“ Christina Wille hat in ihrem Friedrichshainer Ladenlokal zusätzlich den Vorteil, dass sie ein Waschbecken für die Hygienemaßnahmen nutzen kann: „Wir werden unsere Kunden bitten, sich die Hände zu waschen, wenn sie sich bei uns im Geschäft aufhalten.“

In der Krise kommt speziell für Wille noch ein weiteres Problem dazu: „In der Modebranche läuft es mit der Bestellung der Ware ein wenig anders. Wir haben schon Kleidung für den Herbst bestellt.“ Ihr droht in der Folge ein zu volles Lager: „Wenn bald zu viel neue Ware auf einmal kommt, haben wir ein Platzproblem.“ Trotzdem plant sie vorerst keine Rabattaktionen: „Unser Gefühl ist, dass die Kunden trotz der Krise bereit sind, den vollen Preis zu zahlen. Wir gehen auch davon aus, dass ab heute einige Leute zu uns in den Laden kommen werden. Es wird aber sicherlich nicht mehr so hochfrequentiert sein, wie es vor Corona der Fall war.“