Rund um das ehemalige Postscheckamt soll ein neues Quartier entstehen. Foto: imago images/Charles Yunck

Kreuzberg - Nach Jahren des Streits und der öffentlichen Provokation ist das Quartier um das ehemalige Postscheckamt an der Möckernbrücke auf bestem Wege, ein Beispiel für gedeihliche Zusammenarbeit unterschiedlicher Nutzer zu werden. Bei einer Informationsveranstaltung im Hochhausturm wurden jetzt zum Beginn der Ausschreibungen die neuen Pläne präsentiert.

Mit dem Abriss bestehender Bauten soll noch diesen Sommer begonnen werden. Das im Jahr 1971 eröffnete Hochhaus soll ab dem kommenden Jahr umgebaut werden. Ab Frühjahr 2024 könnten die ersten Häuser fertig sein.

Bezirk funkte Immobilienunternehmer Gröner dazwischen

Jahrelang hatte es Auseinandersetzungen um die Nutzung des 89 Meter hohen Hauses gegeben. Der Immobilienunternehmer Christoph Gröner wollte aus dem Postscheckamt am Halleschen Ufer ein Wohngebäude mit teils sehr teuren Wohnungen machen – ganz so, wie er es am Steglitzer Kreisel jetzt tatsächlich umsetzt. In Kreuzberg funkte der Bezirk dazwischen.

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Wütend ließ Gröner an der Fassade ein weithin sichtbares Transparent aufhängen, auf dem er dem rot-rot-grünen Senat vorwarf, den Bau von knapp 700 Wohnungen zu verhindern. Die Botschaft hing dort viele Monate. Als sich Gröner auf einen für ihn ungünstigen Mix aus Wohneigentum, günstigem Wohnraum und Gewerbe hätte einlassen müssen, warf er vor anderthalb Jahren entnervt hin.

Der Immobilienentwickler Art-Invest aus Köln griff zu – und entwickelt jetzt gemeinsam mit dem Bezirksamt und der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Degewo ein Quartier mit etwa 310 Wohnungen und einer kleinen Kita im hinteren Bereich des Areals sowie Büro und Gewerbe im Vorderteil. Der Turm soll ausschließlich für Büro und Gewerbe genutzt werden. Ganz oben ist eine Skybar geplant.

Baustadtrat Florian Schmidt: „Nicht das große, neue, hippe Ding“

Neben dem Hochhaus entstehen insgesamt fünf weitere Häuser oder Blöcke mit vier bis acht Stockwerken. Dabei sollen die nur für Büros vorgesehenen Gebäude zum lauten Halleschen Ufer und der Hochbahn hin als Lärmschutz für die in zweiter Reihe geplanten, niedrigeren Wohnhäuser dienen.

Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) erinnert an den langen Streit mit Investor Gröner, und zählt genüsslich auf, was alles nicht geplant ist: „Es wird kein Kiez, der abgefeiert wird als das große, neue, hippe Ding. Es geht eben nicht um den großen Knall, die große Geste, das neue Kreuzberg.“ Degewo-Vorstand Christoph Beck skizziert die Pläne etwas prosaischer: „Es entsteht ein Wohnquartier für ganz normale Berliner.“

Geplant ist ein autofreies Quartier, das eine Tiefgarage mit rund 250 Stellplätzen erhalten soll. Größtenteils in den Gebäuden sollen mehr als 1300 Fahrradstellplätze entstehen. Doch schon jetzt fürchten Anwohner, dass die geringe Zahl von Parkplätzen zu einer Belastung für die umliegenden Straßen werden könnte.