Dem Tischler Stefan David alias Ivan wurden in der Waldemarstraße in Kreuzberg seine Transportwagen gestohlen. 
Foto:  Benjamin Pritzkuleit

Stefan David (56) ist wütend und traurig zugleich: Dem Tischler aus Kreuzberg wurden zwei seiner Handwagen vor seiner Werkstatt gestohlen. Für „Ivan“, so wird er überall im Kiez genannt, ist das existenziell, da er ohne die Transportmittel keine Aufträge ausführen kann. Inzwischen beschäftigt sein Dilemma einen ganzen Kiez, und der Spendenaufruf seiner Tochter Juscha (36) hat auch bei Facebook eine Welle der Solidarität ausgelöst.

„Ich verstehe nicht, warum jemand so was macht. Die Wagen hatten auch einen ideellen Wert für mich und sie fehlen mir“, sagt Ivan. Beide, sowohl den Werkstatt- als auch den Transportwagen, so betont er,  hat er in Eigenarbeit selbst hergestellt und er beziffert den materiellen Wert auf rund 1400 Euro.

Normalerweise stehen seine wichtigsten Arbeitsmittel seit 25 Jahren angeschlossen vor der Werkstatt an der Waldemarstraße nahe dem Oranienplatz. Nur an jenem Morgen des 2. Juli sei alles anders gewesen. „Als ich am Vormittag von einem Kunden zurückkam, stand einer der Wagen nicht mehr dort und von dem anderen war das Schloss aufgebrochen“, erzählt der gelernte Tischler. Daraufhin sei er zu seiner Wohnung gelaufen, um ein anderes Schloss zu holen. Als er nach wenigen Minuten zurückkam, sei auch der zweite Wagen weg gewesen. „Das ist eine große Gemeinheit und vermutlich ist demjenigen gar nicht klar, was er angerichtet hat“, so Ivan.

Ohne seine Handwagen ist Ivan aufgeschmissen

Der gelernte Tischler hat kein Auto und holt mit seinen Wägen Material und liefert damit die gezimmerten Türen, Tische und Bänke an seine Kunden aus. Die stammen meistens, wie Ivan selbst, aus dem Kiez. „Viele Sitzgelegenheiten draußen vor den Kneipen und Restaurants sind von mir“, sagt er stolz.

Doch ohne seine Handwagen ist Ivan aufgeschmissen, wie er sagt, und er habe schon einige Aufträge nicht ausführen können. Zwar habe er noch zwei ganz alte Wagen, aber die führen längst nicht mehr so geschmeidig wie die anderen und er schaffe damit weitaus weniger in der dafür vorgesehen Zeit. Weil ihr Vater „so ein hilfsbereiter Mensch ist und auch ihr als alleinerziehender Mutter immer unter die Arme greift“, hat Tochter Juscha jetzt einen Spendenaufruf im Internet gestartet, der binnen weniger Tage schon 1480 Euro erreicht hat. „So muss das sein. Wir sind doch Kreuzberg“, schreibt eine Anwohnerin bei Facebook. Mit der großen Unterstützung aus dem Kiez habe sie gar nicht gerechnet, sagt Juscha Fiedelak. Dennoch habe ihr Vater bisher nur die Materialkosten wieder drinnen, das Bauen neuer Wagen würde Ivan viele zusätzliche Arbeitsstunden kosten und einen weiteren Verdienstausfall mit sich bringen.

Eine Strafanzeige bei der Polizei hat Ivan nicht gestellt, weil er glaubt, es sei mehr bürokratischer Aufwand, als dass es ihm persönlich etwas nütze. „Wer interessiert sich schon für zwei Handwagen“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Trotzdem hofft er, dass er seine beiden gestohlenen Handwagen zurückbekommt. Immerhin seien sie jetzt in der ganzen Stadt bekannt. Er sagt: „Vielleicht zeigt der Dieb ja Reue und Einsicht, wenn er jetzt weiß, was sie mir bedeuten.“