Abstandsmessung mit dem Zollstock am Wasserturmplatz in Prenzlauer Berg. Näher als 1,50 Meter darf man sich nicht kommen. Foto: zVg.

Berlin - Im Treptower Park sind mittags etliche Menschen unterwegs – er ist belebt, aber nicht voll. Radler, Spaziergänger und Jogger, Paare – teilweise auch sie auf Distanz – genießen unter dem mit einigen Wolken gesprenkelten Himmel die Sonne. Unklar, ob es Einsicht ist oder die Berliner Bußgeld-Drohung mit mindestens 25 Euro, wenn mehr als zwei nicht in einem Haushalt lebende Menschen dicht zusammenstehen oder -gehen.

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Eine Familie aus Neukölln mit zwei Töchtern (2, 5) hat sich auf einer Bank niedergelassen, die Eltern entspannen sich von der Kombination Kinderbetreuung – Homeoffice. Die Mutter, eine Sozialpädagogin: „Die Kinder kommen mit der Situation besser zurecht als die Erwachsenen.“ Sie nehme aber wahr, dass sich die meisten an die Abstandsregeln halten und höchstens zu zweit unterwegs sind.

Familien mit Kinderwagen, Radler, Spaziergänger und Jogger: Im Treptower Park kommen sich die Menschen in aller Regel nicht zu nahe. Foto: Gerd Engelsmann

Im Mauerpark gibt es große Lücken zwischen den Menschen, junge Leute machen Gymnastik, eine Familie lässt einen Drachen steigen, und ja, manchmal kommen sich kleine Gruppen beim Fußballspiel zu nahe. Die Polizei, zu Fuß und in einer „Wanne“ unterwegs, lässt sie gewähren, der Lautsprecherwagen kommt bis zum frühen Nachmittag nicht zum Einsatz, um zu mehr Abstand aufzufordern.

Im Mauerpark hantiert ein Pärchen mit einer Decke, ein Junge saust mit dem Fahrrad den Hügel hinab Foto: Gerd Engelsmann

Einen Einsatz dagegen hat die Polizei im wenig besuchten Volkspark am Weinberg – und der hat nichts mit Corona zu tun. Ein Japaner wird in Handschellen gelegt, nachdem er eine Frau in den kleinen Teich gestoßen hat. Triefnass geht sie eilends nach Hause, nachdem die Anzeige wegen Körperverletzung aufgenommen ist.

Der Mann, der eine Spaziergängerin in den Teich im Weinbergspark gestoßen hatte, sitzt gefesselt an einem Baum. Ein Polizist prüft anhand der Rahmennummer des Fahrrads, ob es gestohlen ist. Foto: Gerd Engelsmann

Heinrich Heine bekommt davon nichts mit. Sein Denkmal wendet der Szene den Rücken zu, ist gleichzeitig zum Warnzeichen verwandelt: Jemand hat seinem Gesicht eine Maske umgehängt. Zwei Männer, die trotz der nahen Polizei dicht nebeneinander auf einer Parkbank sitzen, nehmen das nicht ernst, machen über Corona Witze.

Das Denkmal Heinrich Heines im Weinbergspark trägt eine Maske. Dabei gehört es durchaus nicht zur Risikogruppe.  Foto: Gerd Engelsmann

Am Wasserturm in Prenzlauer Berg gehen derweil mehrere Polizisten Streife. Einer holt einen Zollstock raus, um den Abstand zwischen zwei Parkbesuchern zu messen. Eine Polizeisprecherin: „Es gab ein Gespräch der Kollegen mit den Bürgern, die auf der Bank saßen. Einer der Herren fragte, was denn passiert, wenn es bei der Frage, ob man weit genug auseinander sitzt, hart auf hart kommt. Da hat ein Kollege den Zollstock herausgeholt.“ Solange die Beamten in Sichtweite sind, bleibt der Park relativ leer – als sie weg sind, füllt er sich wieder.

Im Tiergarten wiederholt sich das Bild aus Mauer- und Treptower Park: Belebt, aber nicht voll. Julia (39), die auf einer Wiese Frühlingsblumen fotografiert: „Seit der Fernsehansprache von Angela Merkel Mitte März habe ich den Eindruck, dass es leerer geworden ist, und dass höchstens Haushaltsgrüppchen unterwegs sind.“

Julia aus Prenzlauer Berg fotografiert im Tiergarten die Osterglocken. Foto: Gerd Engelsmann

Die Freundinnen Jutta und Gudrun jedenfalls haben die Warnungen verinnerlicht, sitzen an je einem Ende einer Bank. Gudrun findet, dass die Berliner ganz gut mit der Corona-Lage zurechtkommen: „Es ist schön, wenn die Menschen mit einem Lächeln ausweichen, um den Abstand zu wahren.“

Am Sonntag soll das Wetter noch schöner werden - mal sehen, ob die Berliner dann immer noch artig sind.

Dieser Artikel wurde am Sonntag aktualisiert, nachdem die Polizei den Vorgang am Wasserturm recherchiert hatte.