Busunternehmer Thomas Schlüter braucht schnell Unterstützung vom Staat Foto: Bernd Friedel

Touristen dürfen seit dieser Woche wieder zum Vergnügen die Hauptstadt besuchen. Berliner jedoch, die innerhalb von Deutschland reisen wollen, können aufgrund der Verordnungen für das gleiche Vorhaben keine Bustouren buchen. Das bringt die Busunternehmer in existenzielle Nöte. Zahlreiche Busbetriebe haben am Mittwoch dagegen mobil gemacht. Der KURIER durfte bei Berlins erster Bus-Demo mitfahren.

Mit 15 km/h in der Spitze rollt der Bus von Thomas Schlüter hinter einem Polizeiauto her. „Der weiße Riese wurde als Frontfahrzeug ausgewählt, weil er gut gebrandet ist“, sagt Schlüter. Denn vor allem auf Sichtbarkeit kommt es an diesem Mittwoch an. Exakt 300 Reisebusse starten – gestaffelt an drei verschiedenen Treffpunkten in Charlottenburg, Tegel und Treptow – ihre Motoren zu einer Protestfahrt durch Berlin.

Reisebus-Flotte steht still: Kündigungen drohen

Die Busunternehmer, von denen auch Schlüter mit seinem Betrieb „BusArt-Tours“ aus Tempelhof einer ist, fordern mehr staatliche Unterstützung in der Corona-Krise: „Wir wissen einfach nicht mehr weiter und sind mit irren Schulden belastet, die täglich mehr werden“, sagt er. „Theoretisch könnten wir zwar touristische Reisen durchführen, aber da der Mindestabstand gilt, kriege ich nicht mehr als elf bis zwölf Leute in einen Bus. Das ist wirtschaftlich für uns nicht darstellbar.“

Schlüter beschäftigt rund 70 Mitarbeiter. Seine Flotte umfasst 20 Reisebusse, die momentan alle stillstehen. Es drohen Kündigungen. Für die Demo durch Berlin haben Schlüter und einer seiner Fahrer einen der rollenden Riesen vom Hof geholt. Am S-Bahnhof Treptower Park findet der hupende Korso mit 100 Bussen seinen Anfang. Flankiert von Polizisten auf Motorrädern geht es auf der Route über den Gendarmenmarkt und Potsdamer Platz innerhalb von zwei Stunden wieder zum Ausgangspunkt zurück. Dabei staut sich der Verkehr immer mal wieder.

Hygienekonzept für die Bustouristik

Kai Neumann, der mit im Bus von Schlüter sitzt, bekommt von einem Kollegen eine SMS. Der Kollege schreibt spaßeshalber: „Autofahrer, die grade ein Carsharing-Angebot nutzen, dürften sich ärgern.“ Neumann ist Referent des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer. Gemeinsam mit dem Internationalen Bustouristikverband sowie der Gütergemeinschaft Bustransport hatte die Organisation zu Protestfahrten aufgerufen.

Man habe ein Hygienekonzept für die Bustouristik erarbeitet, das sich im Wesentlichen an den Regeln in der Bahn und im Flugzeug orientiere. Das größte Problem laut Neumann sei jedoch, dass Busreisen in manchen Bundesländern erlaubt seien, in anderen dagegen nicht. „Wir brauchen einheitliche Regelungen!“ Außerdem fordert er sofortige finanzielle Hilfen, die nicht zurückzuzahlen sind. Zusätzlich spricht sich Neumann für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Busreisen aus: „Das muss jetzt geschehen, damit das klimafreundlichste Verkehrsmittel noch irgendwie durch die Krise kommt.“