Transparente hängen aus den Fenstern und das Plakat ist auch schon fertig: Die Mieter der Luxemburger Straße 31 machen sich warm für die Demo am 4. August. Foto: Markus Wächter

Meteorologisch war dieser Sommer in Berlin bisher ja eher mäßig. Doch dafür kündigt sich jetzt ein heißer Demo-Sommer im August an. Es gibt Mieter in der Stadt, die geräumt werden sollen oder die Verdrängung durch neue Hauseigentümer fürchten. Sie planen mehrere Protest-Aktionen. Der KURIER stellt drei von ihnen vor.

Da wären zum einen die Mieter aus der Luxemburger Straße 31 in Wedding. Das Haus liegt in einem Milieuschutzgebiet.  Der Bezirk Mitte hat die Bewohner vergangenen Monat über einen neuen Eigentümer informiert, bei dem es sich um die Skjerven Group handelt. Das bestätigte Stadtrat Ephraim Gothe (SPD) am Sonntag. Der Bezirk prüft gerade das Vorkaufsrecht.    

Das Unternehmen hat in den letzten Monaten etliche Immobilien in der Hauptstadt erworben. Allein drei Häuser in Mitte: in der Genterstraße 7, in der Oldenburger Straße 3a und b und in der Luxemburger Straße 31, wo die Mieter dem Eigentümer mit Vorbehalten und Angst begegnen. „Wir fürchten Luxussanierungen und dass die Miete daraufhin erhöht wird. Das könnten wir uns nicht leisten. Wir haben Bedenken, dass Wohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden könnten“, sagt ein Mieter, der seit 16 Jahren in dem Haus wohnt.

Insgesamt leben in der Luxemburger Straße 31 über 40 Mietparteien – viele von ihnen seit Jahrzehnten. Sie sind im Kiez verwurzelt und wollen nicht weg, sagen sie.  Da ist zum einem Gloria Kreuzberger (67), die seit 29 Jahren in ihrer Wohnung  lebt und dort auch alt werden will. Da  ist die junge Mutter Hannah (28), die schon einmal aus der Wohnung gedrängt wurde und diese Erfahrung ihrem Baby ersparen möchte. Zu den Mietern zählen außerdem ein Asia-Laden und eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Mieterin Gloria Kreuzberger (67) im Gemeinschaftgarten des Hinterhofs. Sie fürchtet, ihre Wohnung in der Luxemburger Straße zu verlieren. Foto: Markus Wächter

Die Bewohner wollen, dass der Bezirk Mitte das Vorkaufsrecht zieht und der Neueigentümer so die Immobilie wieder abgeben muss. „Die Frist, um das Vorkaufsrecht zu ziehen, läuft am 17. August ab“, sagen der Mieter.  Die Bewohner der Luxemburger Straße wollen jetzt Druck machen und planen eine Demo vor dem Bezirksamt Mitte in der Müllerstraße 146. Termin: 4. August, um 11 Uhr.  Eine Anfrage des KURIER ließ die Skjerven Group bisher unbeantwortet.

Die Wirte Lukas (30) und Christian (42) müssen das „Syndikat“ nach 35 Jahren räumen. Am 6. August planen sie ein großes Abschiedsprogramm. Foto: Sabine Gudath

Eine weitere Protestaktion ist in der Neuköllner Weisestraße 56 geplant. Dort befindet sich seit 35 Jahren die Kneipe „Syndikat“, ein beliebter Treff der linken Szene. Der neue Vermieter „Firman Properties S.à.r.l“ aus Luxemburg hat den Mietvertrag bereits Anfang 2019 gekündigt. Doch das „Syndikat“ weigerte sich bisher, auszuziehen. Der Vermieter hatte mit einer Räumungsklage vor Gericht Erfolg. Der Termin für die Zwangsräumung ist der Morgen des 7. August.  Eine Kundgebung beginnt am Abend davor, um 20 Uhr. Sie soll dann bis 10 Uhr morgens, also bis zur Räumung, gehen. Die Wirte kündigen an: „Ein buntes Programm aus Videoclips, Redebeiträgen, Bildern und Musik ist in Planung.“

Aktion Nummer 3: In Kreuzberg wollen Anwohner am kommenden Dienstag und am 10. August für den Erhalt der Pizzeria „De Noantri“ in der Görlitzer Straße mobil machen. Dem Restaurant wurde nach zehn Jahren der Mietvertrag zum 31. Juli gekündigt.  Am 10. August haben die Demonstranten vor, vor das Büro der Vermieterin ziehen und sie so umstimmen. „Die Pizzeria darf nicht schließen. Die Angestellten kümmerten sich um Obdachlose im Kiez. Die Kinder hier sind mit dem Kellner aufgewachsen“, sagt Markus Kammermeier von der Initiative „Bizim Kiez“. Er glaubt, dass das Restaurant erst mal nicht auszieht. Trotz Kündigung.