Der ehemalige Obdachlose André Hoek verteilt Geldspenden an Bedürftige auf der Straße, hier zehn Euro an Dirk (46).  Foto: Volkmar Otto

Er hat sich selbst eineinhalb Jahre auf den Straßen Berlins durchgekämpft. In Zeiten von Corona haben es bedürftige Menschen besonders hart getroffen, weiß André Hoek (49). Deshalb hat er für sie eine Spendenkampagne ins Leben gerufen und schenkt Obdachlosen zehn Euro zum Überleben.

„Den Menschen von der Straße bleibt jetzt fast gar nichts mehr“, sagt André Hoek. Die einst belebten Plätze, Parks und Bahnhöfe der Stadt sind plötzlich menschenleer. „Es liegen kaum noch Pfandflaschen auf der Straße und Viele mögen kein Geld mehr geben, da sie selbst keines mehr haben oder weil sie keine Münzen oder Scheine mehr anfassen mögen“, sagt der Ex-Obdachlose, der in Berlin für sein Engagement gegenüber Menschen von der Straße bekannt ist und über den der KURIER schon mehrfach berichtete.

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Jetzt hatte André Hoek erneut einen rettenden Einfall. Nämlich Menschen in Not über eine Spendenkampagne www.betterplace.me/nothilfe-fuer-obdachlose-in-berlin zu unterstützen. Und die funktioniert nicht nur mittels seiner Hilfe, sondern auch durch Solidarität der Gesellschaft. Über Paypal oder Banküberweisung kann jeder eine Summe für die Obdachlosen hinterlassen. „Bisher ist rund 7500 Euro zusammen gekommen“, sagt Hoek.

Doch da er täglich bis zu 100 Zehn-Euro Scheine im ganzen Stadtgebiet verteilt, ist das Geld schnell aufgebraucht. Manche sind sehr überrascht über die kleine Finanzspritze. So wie Dirk (46), den er nahe des Ostbahnhofs traf. „Ich bin sehr gerührt und freue mich, dass fremde Menschen an mich denken“ sagt er und schaut ein wenig verblüfft, als er das Geld in den Händen hält. Dirk lebt seit fünf Jahren auf der Straße, wie er sagt und hat mal als Gas-und Wasserinstallateur gearbeitet, bis er wegen persönlicher Probleme ins gesellschaftliche Abseits geriet.

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Obdachlose leiden erheblich unter der Corona-Krise

„Während der Corona-Krise sind die Einnahmen für Obdachlose sehr schlecht“ sagt er. Doch das fehlende Geld für Lebensmittel sei nicht das Einzige was ihm zu schaffen mache. „Wir haben keine Möglichkeit mehr uns zu waschen, das ist sehr problematisch“, sagt er.

Wenn André Hoek die Spenden verteilt, wird er von Freunden unterstützt. Jeden zehn Euro-Schein, den sie verschenken, dokumentieren sie mit einem Foto, „damit die Spender wissen, dass ihr Geld gut angekommen ist.“ Warum André Hoek gern hilft? Er sagt: „Wir müssen jetzt in der Krise alle zusammen halten. Mehr als je zuvor.“