Das Winterquartier des DDR-Staatszirkus in Hoppegarten steht zum Verkauf - mit Manege und Rennstall. Foto: Grahl Immobilien/Immonet

Artisten und Tiere gibt es hier schon lange nicht mehr. Jetzt steht der einstige DDR-Staatszirkus sogar zum Verkauf. Für knapp zwei Millionen Euro wird das Winterquartier der Zirkus-Elite Ost im Internet angeboten – Manege und Rennstall inklusive. Das denkmalgeschützte Areal in Hoppegarten ist provisionsfrei zu haben.

Als kleines Kind hatte wohl jeder mal den Traumberuf Zirkusdirektor. Für einen Käufer mit dem nötigen Finanz-Polster kann dieser Traum jetzt wahr werden. Bei „Immonet“ wird das Staatszirkus-Winterquartier für 1.975.000 Euro angeboten.  Man fragt sich, ob das überhaupt wahr sein kann. Aber der Verkäufer Grahl Immobilien bestätigte dem KURIER die Echtheit der Online-Annonce.

Heimat des VEB Zentralzirkus

Das 5870 Quadratmeter große Grundstück atmet Geschichte. Denn hier war ab 1963 der VEB Zentralzirkus zu Hause. Der volkseigene Betrieb setzte sich aus drei ursprünglich privaten Zirkus-Unternehmen zusammen – Barlay (später Olympia, dann Berolina), Busch und Aeros. In den Stallgebäuden waren Pferde, Exoten, Kleinaffen, eine Giraffe und ein Elefant untergebracht. Die Probe-Manege besteht aus Teilen des „Barlay-Baus“, der früher an der Stelle des Friedrichstadt-Palastes stand.

Doch wie so viele DDR-Institutionen überlebte der Großzirkus die Wende nicht lange. Die Tiere wurden verkauft, die Mitarbeiter entlassen. Auf einem Teil des ursprünglichen Winterquartier-Geländes an der B1/B5 befindet sich heute das Gartencenter Pflanzen-Kölle. Ein anderer Teil wurde 2013 von der Treuhand-Nachfolgerin TLG an Grahl Immobilien veräußert. Ob hier jemals wieder Artisten in der Manege auftreten werden?

Für Wohnungen geeignet

„Ställe und Manege eignen sich gut für Wohnungen“, sagt Holger Grahl dem KURIER. Er denkt dabei etwa an Unterkünfte für Senioren. Das aktuelle Verkaufsangebot im Internet sei Teil eines zweigleisigen Plans – eine Art Testballon. Grahl hat sich noch nicht endgültig entschieden, ob das Zirkus-Areal wirklich den Besitzer wechseln soll. Oder ob er das Wohnungsprojekt womöglich doch selbst in Angriff nimmt.    

Für neues Leben im Artisten-Quartier hat Grahl jedenfalls schon gesorgt: Das Hogarts Circus Caffee in unmittelbarer Nähe probte am Donnerstag den Neustart nach Ablauf des Corona-Shutdowns in der Gastronomie. „Wir haben das Café im 60er-Jahre-Stil eingerichtet“, sagt Grahl. Es sei aber kein Ostalgie-Lokal, sondern so gestaltet, dass sich Ossis und Wessis gleichermaßen wohlfühlen können.

Sobald feststeht, was aus dem Zirkus-Quartier insgesamt wird, will Grahl es den KURIER wissen lassen.