Eine Mitarbeiterin des Wenckebach-Klinikums informiert über die Vorgehensweise. Foto: dpa

Berlin - Je länger die Corona-Krise anhält, je mehr Fälle bekannt werden, desto offensichtlicher zeigt sich, dass die Stadt damit überfordert ist.

Viele Menschen würden gern wissen, ob sie mit dem Coronavirus infiziert sind. Doch wer es bei der Corona-Hotline der Senatsgesundheitsverwaltung oder der Kassenärztlichen Vereinigung versucht, hängt in der Warteschleife. Eine Leserin berichtete gestern davon, dass sie dreimal bei der Kassenärztlichen Vereinigung unter 116117 anrief. Nach jeweils einer halben Stunde sei sie aus der Warteschleife geworfen worden. Beim vierten Mal habe es geklappt. Dann habe ein genervter Arzt zurückgerufen und gesagt, er könne keinen Hausbesuch machen, weil er keine Schutzkleidung habe. Im Übrigen hätten Kollegen alle Hände voll zu tun, um die ganz Alten über 80 zu Hause zu besuchen.

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Neue App der Charité: Die CovApp

Um die Hotlines zu entlasten, hat die Charité eine neue App entwickelt: die CovApp. Diese App gibt Empfehlungen, ob man zu einer Teststelle gehen soll. Leser Michael S. machte davon Gebrauch. Und er berichtet von einem desolaten Zustand im Vivantes-Klinikum Fröbelstraße.

Nachdem man endlich dran war, bekam jeder die Antwort: Sie werden nicht getestet! „Ich erklärte dem Arzt das ich eine Herzerkrankung habe sowie Fieber, Husten und Schüttelfrost.“ Die Antwort sei gewesen, er sei kein Risikopatient. Er, wie fast jeder dort, habe einen Ausdruck des QR-Codes von der Charité-App dabei gehabt, auf dem stand, man solle sich unverzüglich testen lassen.

In der Schlange steigt erst recht das Risiko, sich anzustecken.
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Leserin Claudia M. litt an Durchfall und Husten, etwas Schnupfen und starken Kopfschmerzen. Beim Hausarzt bekam sie die Auskunft, dass dieser mangels Schutzausrüstung keine Tests durchführen könne und verwies an eine der Teststellen. Dort hieß es, sie müsse sich anstellen. Allerdings gebe es in den Schlangen ein hohes Ansteckungsrisiko.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD): 2000 Tests pro Tag möglich

Berlin kann nach Angaben von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) pro Tag bis zu 2000 Tests durchführen. „Das ist im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr, sehr komfortabel“, so Kalayci. Tatsächlich reicht dies nur für Patienten höheren Alters oder die, die einer Risikogruppe angehören. Deshalb werden die meisten, denen die Charité-App den Test empfohlen hat, in der Realität wieder nach Hause geschickt.

Mittlerweile gibt es immer wieder auch Auseinandersetzungen um die Frage, in welche Krankenhäuser erkrankte Covid-19-Patienten gebracht werden. Am Donnerstag wurde ein Patient vom DRK-Klinikum Drontheimer Straße in das DRK-Klinikum Westend verlegt. „Er wurde unter den geltenden Hygieneschutzmaßnahmen aufgenommen“, bestätigte eine Sprecherin. Nur: Das Krankenhaus gehört nicht zu den 14 Berliner Schwerpunkt-Kliniken, die für Corona-Patienten vorgesehen sind. „Auf diese Weise findet der schleichende Kollaps statt und auch die anderen Krankenhäuser werden jetzt verseucht“, sagt ein Mitarbeiter aus dem Rettungswesen.