Überall in der Stadt kommt es zu Bauverzögerungen. 
Foto: dpa/Britta Pedersen

Die Corona-Krise führt nicht nur zu Bauverzögerungen für das Humboldt-Forum im neuen Berliner Schloss, sondern zu Problemen für viele weitere Projekte. Von 93 großen Bauvorhaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in Berlin sind bislang 41 Projekte von Auswirkungen der Covid-19-Pandemie betroffen. Dies teilte ein BBR-Sprecher jetzt auf Anfrage des Berliner KURIER mit.

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Neben dem Humboldt-Forum ist es laut BBR auf der Baustelle des Pergamonmuseums zum Ausfall von Personal und zu Lieferengpässen gekommen. Beim geplanten Anbau für den Bundesrat in der Leipziger Straße, bei dem auch ein Besucherzentrum entstehen soll, hätten sich behördliche Genehmigungsverfahren verzögert – zum Beispiel bei der Bearbeitung von Anträgen auf Sondernutzung von Straßenland für die Baustelleneinrichtung. Ferner sei es bei der Staatsbibliothek Unter den Linden zu verzögerten Abnahmen durch die Sachverständigen gekommen. Beim Walther-Meißner-Bau für die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, einem 37 Millionen Euro teuren Wissenschaftsgebäude in Charlottenburg, haben sich laut BBR einzelne Arbeiten aufgrund von Materialengpässen um mehrere Wochen verzögert.

Bei 21 weiteren Projekten seien „Erschwernisse aufgrund fehlender Kapazitäten bei den Baufirmen und Materiallieferengpässe zu erwarten, 31 Projekte laufen weiterhin störungsfrei“, so der Sprecher des Bundesamtes. Zu den großen Bauvorhaben zählt das BBR Projekte mit einem Budget von mehr als sechs Millionen Euro.

Personal- und Lieferengpässe: Keine Starkstromkabel aus Norditalien

Insgesamt lasse sich feststellen, dass die Firmen bei vielen Bauprojekten mit weniger Personal vor Ort tätig seien, erläutert eine BBR-Sprecherin. „Bei manchen Projekten fehlen einzelne wichtige Firmen ganz.“ So seien beispielsweise auf der Baustelle des Pergamonmuseums derzeit 15 Prozent weniger Arbeitskräfte tätig, beim Humboldt-Forum zwischen 25 und 30 Prozent. Neben dem Ausfall von Personal mehren sich nach Angaben der BBR-Sprecherin Engpässe bei Materiallieferungen. Bauteile wie Starkstromkabel aus Norditalien oder LED-Chips aus China, die für die Museumsbeleuchtung benötigt werden, seien über Wochen nicht oder nur schwer verfügbar gewesen. Die Produktionen liefen erst wieder an.

Beim Humboldt-Forum seien Lieferengpässe bei Leuchten und Fliesen aus Italien aufgetreten. Dadurch hätten beispielsweise die Fliesenarbeiten in den Sanitärbereichen und Teeküchen noch nicht ausgeführt werden können. Die Folge: Handwerker, die danach ihre Arbeit machen sollten, konnten noch nicht anfangen. Die für September dieses Jahres geplante schrittweise Eröffnung des Humboldt-Forums musste deswegen, wie berichtet, verschoben werden. Wie sich die Pandemie auf Baukosten und Termine der verschiedenen Projekte auswirkt, lässt sich derzeit nach Angaben des BBR „weder seriös prognostizieren noch konkret beziffern“. Allerdings: Kleinere Baustellen liefen vielmals noch ohne, beziehungsweise ohne größere Beeinträchtigungen weiter.

„Der Gesundheitsschutz hat auf den Baustellen des Bundes oberste Priorität“, betont die BBR-Sprecherin. Für die einzelnen Baustellen seien Regelungen festgelegt worden, die die Ansteckungsgefahr so weit wie möglich minimieren sollen. Vorreiter seien die großen Projekte wie die Baustelle des Humboldt-Forums. Hier seien beispielsweise zusätzliche Sanitärcontainer mit Toiletten, Handwaschbecken und Vorrichtungen zur Händedesinfektion aufgestellt worden. Es sei angeordnet worden, die Container mehrfach täglich zu reinigen. Der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen zwei Personen werde auf den Baustellen, wo immer möglich, eingehalten, so der BBR-Sprecher. In Einzelfällen seien die Arbeiten „gegebenenfalls nur mit entsprechender Schutzausrüstung“ möglich. Besprechungen wurden auf den Baustellen auf Video- und Telefonkonferenzen umgestellt.

Höhere Gewalt verschiebt Fristen

Weil bislang alle mitspielten, sei bis heute keine Einstellung und Schließung des Baustellenbetriebs des BBR in Berlin erforderlich gewesen, sagt die Sprecherin des Bundesamtes. „Auch konnten alle sich in der Anfangsphase befindlichen Projekte weitergeführt werden.“ Die Baustellen des Bundes werden auch deswegen weiterbetrieben, um die Bauwirtschaft zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu erhalten. Grundlage für die Fortführung der Arbeiten in der Pandemie ist ein Erlass des Bundesbauministeriums vom März. Darin legt das Ministerium fest, dass sich ein Bauunternehmer auf höhere Gewalt berufen kann, wenn seine Arbeiter beispielsweise aufgrund von Reisebeschränkungen die Baustelle nicht erreichen können oder Baumaterial nicht zu beschaffen ist. Dadurch verschieben sich die Fristen für die Erledigung der Bauarbeiten automatisch nach hinten. Es entstehen keine Entschädigungsansprüche gegen die Firma.

Das BBR will selbst alles dafür tun, damit die Baufirmen weiter zahlungsfähig bleiben. Um die wirtschaftliche Existenz der Firmen zu sichern, gewährleiste das Bundesamt, dass die Rechnungen der Auftragnehmer – auch während der Corona-Krise – kontinuierlich geprüft und beglichen werden, so die BBR-Sprecherin.