Friseur Önder Tekin arbeitet gemeinsam mit Kollegin Irina weiter in seinem Salon. Foto: Hense

Berlin - Sie arbeiten sehr nah am Menschen und haben große Angst: Die Friseure fürchten, sich bei ihren Kunden mit dem Coronavirus zu infizieren. Während viele Geschäfte in Deutschland schließen, müssen sie weiter arbeiten. Dagegen wollen sich die Friseure jetzt wehren. Der KURIER sprach mit zwei Betroffenen.

Friseure fallen unter Grundversorgung

Friseurmeisterin Jule Pufpaff aus Lichtenrade fühlt sich als Unternehmerin alleingelassen. Sie sagt: „Ich verstehe nicht, warum unsere Berufsgruppe weiter funktionieren muss, obwohl wir so nah am Menschen sind“, sagt sie. Hintergrund: Bund und Länder haben eine Reihe von Maßnahmen getroffen, um das Corona-Virus einzudämmen. Darunter fällt auch das Schließen der Geschäfte. Nur die, die die Grundversorgung sicherstellen, bleiben offen – auch Friseurläden.

Jule Pufpaff ärgert, dass sie weiterhin ihren Laden öffnen muss. „Wir können keinen Sicherheitsabstand einhalten. Zu uns kommen Leute in den Salon und denken nur an ihre Haare“, sagt sie. Sogar ältere Kunden, die zur Risikogruppe zählen, seien darunter.

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Friseur Önder Tekin kämpft mit demselben Problem. „Mir sind schon zwei Kolleginnen aus dem Team ausgefallen. Wir müssen jetzt zu zweit alles allein stemmen. Viele kommen jetzt noch schnell und wollen sich die Haare schneiden lassen, weil sie Angst haben, dass sie bei einer Ausgangssperre nicht mehr kommen können.“

Petition im Internet fordert Schließung der Salons

Im Internet gibt es inzwischen eine Petition, die eine Schließung der Salons fordert und die rund 100.000 unterzeichnet haben. Auch die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Ausnahmeregelung für Friseure. Deswegen müssten Salons geschlossen werden, aber das könne nur geschehen, wenn die Existenzen der Beschäftigten und Betriebe abgesichert würden. Tekins Kollegin, Friseurmeisterin Maike Dreeger sagt: „Ich freue mich über jeden schönen Haarschnitt, den ich einem Kunden machen kann, aber es macht mich sprachlos, wie man jetzt noch zum Friseur gehen kann und sich und andere der Gefahr einer Infektion aussetzen kann.“