Horst Rieger (78) ist enttäuscht: Er machte den Gehweg vor seinem Haus zu einem Blüten-Paradies, doch nun entfernten Mitarbeiter des Bezirkes die Blumen. Nur ein Beet vor dem Haus darf noch blühen. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Die Vorbergstraße in Schöneberg war lange ein idyllisches Plätzchen – weil Anwohner hier, am Rande eines Fußgängerweges, ein kleines Paradies aus bunten Blumen pflanzten. Viele aus der näheren Umgebung kamen gern zum Spazieren her, genossen den Blick auf das Blüten-Paradies entlang des Weges. Doch damit ist nun Schluss: Mitarbeiter des Bezirksamtes entfernten die gehegten und gepflegten Pflanzen, die Menschen im Kiez sind empört.

So prächtig sah es hier noch vor Wochen aus. Repro: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Hobby-Gärtner Horst Rieger kann noch nicht fassen, was in der beschaulichen Straße am vergangenen Donnerstag passierte. „Es war ein Schock“, sagt der 78-Jährige dem KURIER. Seit drei Jahren kümmert sich der Rentner um die Pflanzen direkt vor der Tür seines Wohnhauses, er  machte den Fußweg in langer Arbeit zum Blüten-Paradies. Schon früher, als kleiner Junge, habe er gern gegärtnert, sich kleine Flächen in der Stadt gesucht und sie bepflanzt. Oft seien seine Werke zerstört worden. Nun, in der Vorbergstraße, hatte er sein Paradies gefunden.

Das Grün ist auch ein Paradies für Bienen und Hummeln. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Der Gehsteig wird auf der einen Seite von einer Art Rabatte begrenzt, auf der Büsche wachsen, auf der anderen Seite trennt eine Poller-Reihe den Weg von der Straße. Auf den Beeten und rund um die Poller säte Rieger Blumen aus, die dank seiner Pflege wuchsen, den Weg zu einer bewachsenen Oase machten. „In diesem Jahr habe ich hier sogar wieder Schmetterlinge gesehen“, sagt er. Doch nun rückte das Tiefbauamt an – und entfernte alle Blumen. 

Die Blumen an den Pollern (rechts) sind nun weg. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

„Angeblich sollen sich andere Anwohner über die Pflanzen beschwert haben“, sagt er enttäuscht. Dabei kann er sich das gar nicht vorstellen. „Eigentlich hatten doch alle ihre Freude daran.“ Gespräche seien entstanden, der Gehweg zu einer Begegnungszone geworden. Auch die Autofahrer habe er sich erzogen. „Die standen früher oft mit den Rädern auf dem Gehweg, das passierte nun nicht mehr“, sagt er. Rieger versteht die Entscheidung des Amtes nicht. „Da schafft man etwas, das den Anwohnern gefällt – und dann wird es einfach kaputt gemacht.“

Dorothea Prill (73) ist wütend. „Ich habe mir meinen Weg immer so gelegt, dass ich hier vorbeikam“, sagt sie. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Verantwortlich ist – da es um einen Gehweg geht – der Fachbereich Straßen des Bezirksamtes. In einer Erklärung heißt es, es habe Beschwerden über die Einschränkung des Gehweges gegeben, über „illegale Pflanzbehälter“ und  darüber, dass die Poller durch die Pflanzen verdeckt worden seien. Pflastersteine seien entfernt worden, Blumenkästen zwischen den Pollern eingebaut. „Sicherlich hat das Arrangement hübsch ausgesehen, es hat aber auch zu Beschwerden seitens anderer Bürger geführt.“ Bereits 2019 habe man den „gärtnerisch tätigen Bürger“ angesprochen. Rieger bestätigt das. Er habe daraufhin einzelne Büsche zurückgeschnitten und -gebunden, sagt er.

Klaus Kreye (61) will mit anderen Anwohnern gegen den Eingriff des Bezirksamtes protestieren. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Die Anwohner sind wütend. Dorothea Prill (73) kommt gerade vom Einkaufen. „Ich sehe zum ersten Mal, dass die schönen Blumen weg sind. Ich habe mir meinen Weg immer so gelegt, dass ich hier vorbeikam“, sagt sie. Ärger auch bei Klaus Kreye. „Jeder beklagt das Insektensterben, alle freuen sich über die bunten Blumen – und ein Hobby-Gärtner hat sich und seinen Nachbarn hier ein kleines Paradies geschaffen“, sagt der 61-Jährige. „Und das ist nun auf einen Schlag weg.“ Für ihn ist klar: Die Anwohner werden gegen den Schritt des Amtes protestieren, Briefe schreiben, Unterschriften sammeln. „Wir wollen wissen, wer das entschieden hat!“