Auch der Friedrichstadt- Palast schließt ab Mittwoch seine Pforten bis zum 19. April. Foto: Friedrichstadt-Palast

Angesichts der Corona-Ansteckungsgefahr kommt nun der nächste Einschnitt in das öffentliche Leben der Hauptstadt: Wie am Dienstagabend bekannt wurde, sollen viele Theater, Opern- und Konzerthäuser schließen. Betroffen sind unter anderem die Deutsche Oper, der Friedrichstadt-Palast und die Philharmonie.

Auf vielen Bühnen wurden am Dienstag die letzten Vorstellungen gespielt, ab Mittwoch ist dicht – und zwar voraussichtlich bis zum 19. April, also länger als einen Monat. Der Einschnitt fußt auf einer Entscheidung des Kultursenators. „Wir haben entschieden, in den staatlichen Theatern, Opern- und Konzerthäuser die Veranstaltungen in den großen Sälen nicht mehr stattfinden zu lassen“, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) dem RBB. „Vorerst bis Ende der Osterferien. Das empfehlen wir auch den großen Privattheatern.“

Absagen aus gefühlter Verantwortung, um die Virus-Ausbreitung zu verlangsamen

Geschlossen bleibt unter anderem der Friedrichstadt-Palast. „Die Absagen ab morgen geschehen nach Aussage der Behörden nicht aus einer aktuellen Bedrohungssituation heraus, sondern aus gefühlter Verantwortung, um die Ausbreitung der Coronavirusinfektionen zu verlangsamen“, heißt es auf der Facebook-Seite des Revue-Hauses. „Deutschland ist früh dran bei dieser Pandemie und man möchte diesen Zeitvorsprung nutzen.“ Es gehe im fraglichen Zeitraum um rund 40000 Tickets, die nun umgebucht werden müssten. Absagen gibt es auch in der Deutschen Oper – aber nur für Vorstellungen im Großen Saal.

„Die Vorstellungen im Foyer und in der Tischlerei finden bis auf Weiteres statt“, heißt es hier. Betroffen seien auch das Gorki-Theater, die Volksbühne, das Deutsche Theater, die Komische Oper, die Staatsoper unter den Linden, das Theater an der Parkaue, die Philharmonie und weitere Häuser. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) verwies   auf eine gemeinsame Sitzung der Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag im Kanzleramt. Von dort erwarte er sich bundeseinheitliche Regelungen, sagte Müller. Er wolle keinen „Flickenteppich“ an Regelungen. In Berlin sind derzeit 58 Fälle des Coronavirus bestätigt, wie die Gesundheitsverwaltung meldete – dabei handelt es sich um jeweils 29 Frauen und Männer.

Mehrere Bundesländer sagen alle Veranstaltungen  mit mehr als 1000 Besuchern ab

Im Rahmen der geltenden Eindämmungsstrategie würden die Kontaktpersonen ermittelt, kontaktiert und isoliert, hieß es weiter. Der Senat spricht zwar von einer „dynamischen Entwicklung“ bei der Ausbreitung des Virus, ändert seine Vorgehensweise aber vorerst nicht. Bei der Sitzung hatte sich der Senat nach Müllers Angaben von Fachleuten der Charité wie Klinikchef Heyo Kroemer und dem Virologen Christian Drosten bescheinigen lassen, dass Berlin bisher „sehr gut, besonnen und sachgerecht“ reagiert habe. Dazu gehöre auch, dass die zuständigen Gesundheitsämter der Bezirke vorerst weiter für jede Veranstaltung eine Risikoabwägung vornehmen und am Ende eine individuelle Entscheidung treffen.

Dennoch gebe es natürlich eine „ständige Prüfung, ob wir so weiter machen“, so Müller. Am anderen Ende des Skala befindet sich das von dem Coronavirius besonders betroffene Nordrhein-Westfalen. Zwischen Rhein und Ruhr werden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt – eine zeitliche Befristung dafür gibt es nicht. Wie Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, könne derzeit niemand sagen, wie lange die Epidemie anhalte. Deshalb sei eine unbefristete Entscheidung richtig. Dabei gehe es auch um „eine Solidaritätsfrage“. Zeitlich befristete generelle Verbote gibt es zum Beispiel auch in Schleswig-Holstein, das ein Verbot von Großveranstaltungen bis Karfreitag, den 10. April, beschloss. Damit solle ein Beitrag geleistet werden, Infektionsketten möglichst zu unterbrechen. Die Landesregierung übernehme damit Verantwortung auch für die Einschränkungen, die auf die Bürger zukommen, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). In Bremen gelten die Verbote zunächst bis einschließlich 26. März. Hamburg verzichtet dagegen bisher auf generelle Verbote.