Kabarettist Frank Lüdecke (59) sorgt sich um die Zukunft kleiner Theater. Vor einem Jahr hat er die Berliner „Stachelschweine“ übernommen, eines der ältesten Kabaretts in Deutschland. Foto: Soeren Stache/dpa

Kabarettist Frank Lüdecke (59) sorgt sich um die Zukunft kleiner Theater. Vor einem Jahr hat er die Berliner „Stachelschweine“ übernommen, eines der ältesten Kabaretts in Deutschland. Dann musste das Haus wegen der Corona-Krise monatelang schließen und die Einnahmen fielen weg.

„Es gibt eben einen Unterschied, ob ein Haus zu 85 Prozent gefördert wird oder gar nicht“, sagte Lüdecke der Deutschen Presse-Agentur. „Wir hangeln uns jetzt von Monat zu Monat, von Ausschüttung zu Ausschüttung.“ Sein Haus habe Soforthilfe des Landes bekommen, erhalte aber keine regulären Fördergelder.

Es sei großartig, dass Kultur unterstützt werde, sagte Lüdecke. Er wünscht sich aber eine Debatte über die Verteilung. Man müsse einen Weg finden, damit möglichst alle gut durch die Krise kämen. „Es sollte eine Solidarität geben für alle Einrichtungen.“

Das Kabarett „Die Stachelschweine“ gibt es seit mehr als 70 Jahren. Das erste Programm wurde im Herbst 1949 gezeigt. In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelte sich das Haus zu einem der wichtigsten politischen Kabaretts in Deutschland. Dann verblasste der Ruhm etwas, im vergangenen Jahr gab es einen Neustart.

Das Kabarett will am 28. August wieder öffnen – einen Tag zuvor ist eine ironische Aktion geplant. „In der Voraufführung bezahlen wir die Zuschauer“, sagte Lüdecke. Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und Studenten sollen 15 Euro „Soforthilfe“ bekommen, andere 10 Euro. Damit wollten sie zum einen ironisch auf das Fördersystem blicken, zum anderem ihrem Publikum Danke sagen, sagte Lüdecke.