Schauspielerin Judith Hoersch ließ sich von Fabian Raabe (der oben rechts im kleinen Video-Fenster zu sehen ist) fotografieren. Foto: zVg/Fabian Raabe "Distance Portraits"

Während des Corona-Lockdowns wussten viele nicht, was sie mit der plötzlichen Freizeit anfangen können – wieder andere sprudelten vor Kreativität. Das beste Beispiel ist Fabian Raabe (30): Der Schauspieler und Hobby-Fotograf rief ein besondere Projekt ins Leben. Er fotografiert Kollegen durch die Webcam seines Laptops. Die Bilder sind schon jetzt ein Stück Zeitgeschichte.

Sie wirken auf den ersten Blick wie normale Porträt-Bilder – erst die Umstände, unter denen diese Fotos entstanden, machen sie so spannend. Die Modelle saßen hier nicht vor der Linse des Fotografen, sondern kilometerweit entfernt – vor der Webcam. Fabian Raabe, der Fotograf, knipste sie nicht live, sondern fotografierte für die Reihe „Distance Portraits“ („Porträts auf Abstand“) den Bildschirm seines Laptops. Wie kommt man denn auf diese Idee? „Ich bin Schauspieler, fotografiere nebenbei, habe in der Vergangenheit oft Bilder von Kollegen angefertigt“, sagt Raabe dem KURIER. „Nun waren die Theater zu, viele Schauspieler saßen daheim – aber ich dachte, man könnte trotzdem Bilder von ihnen machen, damit sie aktuell bleiben.“

Mehrere Produktionen, für die ich gebucht war, wurden abgesagt oder verschoben. Corona trifft alle Künstler hart. Finanziell, aber auch, weil sie plötzlich nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Schaffensdrang tun sollen.

Fabian Raabe, Schauspieler und Fotograf

Er suchte sich erste Modelle – und schnell verselbstständigte sich die Idee: Hunderte Anfragen kamen – von Kollegen und Bekannten, aber auch von Fremden, die davon hörten. „In der ersten Woche habe ich mehr als 60 Leute fotografiert, sieben bis acht Stunden täglich“, sagt er. Die besondere Herausforderung: Raabe, der sich mit den Leuten, die er fotografiert, über Videochat verbindet, hat keinen Einfluss auf die Beleuchtung. „Es dauert am Anfang immer lange, bis man den richtigen Platz in der Wohnung des Gegenübers gefunden hat, wo das Licht gut ist.“ Manchmal sei plötzlich die Internet-Verbindung unterbrochen gewesen – oder ein für den Videochat mühsam aufgestelltes Handy umgefallen. Die Bilder können sich sehen lassen – Raabe plant nun einen Corona-Bildband, vielleicht eine Ausstellung.

Und tut mit seiner Arbeit sogar Gutes: Für die Fotoshootings nimmt er kein Geld, sondern bittet um Spenden für „Ärzte ohne Grenzen“, weil ihn die Lage der Flüchtlingskinder im griechischen Moria so bewegte. Und das, obwohl ihn selbst die Krise trifft. „Mehrere Produktionen, für die ich gebucht war, wurden abgesagt oder verschoben. Corona trifft alle Künstler hart. Finanziell, aber auch, weil sie plötzlich nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Schaffensdrang tun sollen.“ Gut, dass Raabe selbst eine Aufgabe gefunden hat.