Die Bronze-Vögel in der Plansche Boxhagener Platz haben nur noch eine klägliche Pfütze vor den Füßen. Foto:  Gerd Engelsmann

Sommer, Park, Bank, Brunnen. Brunnen? In vielen Berliner Brunnen herrscht Trockenheit statt fröhlichen Plätscherns. Sie sind defekt. Der fraktionslose Abgeordnete Marcel Luthe hatte Anfang Juli festgestellt, dass der riesige Siegfried-Brunnen am lauschigen Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf nicht läuft. Er fragte den Senat nach dem Grund und ließ sich gleich noch eine Liste liefern, wie viele der rund 300 öffentlichen Brunnen in Betrieb sind.

Der Siegfried-Brunnen auf dem Rüdesheimer Platz: Ein trockenes Gebirge. Foto: Gerd Engelsmann

Die Antwort ist – wie immer in Berlin – etwas verwinkelt. Denn betrieben werden die Zierbrunnen in acht Bezirken von den Wasserbetrieben (in Pankow nur zum Teil), in den übrigen vier macht das die Bezirksverwaltung selbst. Allerdings sind die Wasserbetriebe (BWB) nur für Betrieb und Wartung zuständig, für Reparaturen und größere Investitionen die Bezirke, die mit der Ausführung wiederum die BWB beauftragen können.

Von den 157 BWB-betreuten Brunnen liefen zur Zeit der Antwort von Umwelt-Staatssekretär Stefan Tidow (Grüne) am 20. Juli lediglich 118. Zwei Brunnen, darunter der Wasserfall Wolfsschlucht am Kreuzberg, waren ausgeschaltet, weil sie gereinigt werden mussten. 

Technische Mängel und Abschaltung durch Corona

Bei den meisten anderen waren es technische Mängel, die sie austrocknen ließen. In der Regel waren die Elektro-Anlagen bei Prüfungen durchgefallen oder die Pumpen waren defekt. In der Auflistung des Senats wird erklärt, dass die meisten von ihnen bis zum Ende der ersten September-Woche wieder laufen sollen. In Marzahn-Hellersdorf waren die Brunnen wegen Corona abgeschaltet worden, damit sich um sie herum keine Menschen versammeln. Anfang Juni beschloss der Bezirk, sie wieder in Betrieb zu nehmen, soweit sie funktionieren. Es habe jedoch etwa einen Monat gedauert, die Brunnen so zu warten, dass Wasser fließen konnte.

Die Elektrik hat auch den Brunnen am Rüdesheimer Platz zu einem unbelebten Steingebirge werden lassen. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf erklärt, dass die Elektroanlage instand gesetzt werden müsse. Der Auftrag an eine Firma sei bereits im Februar rausgegangen.  Außerdem müsste Stromnetz Berlin Änderungen für die Zähleranlage vornehmen, dieser Auftrag stamme aus dem Mai.

Der zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) hatte dazu erklärt, dass die Auslastung der Firmen und die Folgen von Corona zu der Verzögerung geführt hätten. In der Senatsantwort gibt es keinen Termin für die Reparatur. Gleiches gilt für den Brunnen auf dem Prager Platz, dessen Betonschale undicht ist. 

Als einziger Bezirk meldete Mitte, dass alle seine Brünnlein fließen.