Una Gonschorr sucht für ihren Verein Namu eine neue Bleibe, in den alten Räumen an der Blücherstraße soll Platz für bedürftige Menschen während der Coronakrise geschaffen werden.
Foto: Sabine Gudath

Sie zaubern sterbenskranken Kindern ein Lächeln ins Gesicht und lassen sie ihr Leiden für einen kurzen Augenblick vergessen. Der gemeinnützige Verein „Namu Art for Life Network e.V.“ führt seit 15 Jahren auf Kinderkrebsstationen und in Hospizen selbst geschriebene Musicals auf. Doch nun benötigen die ehrenamtlichen Mitarbeiter dringend selbst Hilfe. Ihnen wurde mitten in der Corona-Krise der Raum an der Blücherstraße (Kreuzberg), den sie bislang kostenlos nutzen durften, gekündigt.

„Corona betrifft leider alle. Das einzigartige Pflegezentrum House of Life, wo auch wir untergebracht waren, hat kurzfristig geschlossen. Alle Bewohner mussten raus, und wir wurden ebenfalls von heute auf morgen vor die Tür gesetzt“, sagt Una Gonschorr (52), erste Vorsitzende von Namu. Wie der KURIER erfuhr, soll das Haus, das bis Ende Mai von FSE Pflegeinrichtungen GmbH betrieben wurde, bis Ende des Jahres als Notfall-Pflegeeinrichtung für schutzbedürftige Menschen während der Corona-Krise vom Vivantes-Forum für Senioren GmbH genutzt werden. Laut Vivantes-Sprecherin Mischa Moriceau sei die Schließung zum 31. Mai unabhängig von der neuen Nutzung erfolgt und sei vom ehemaligen Betreiber bereits Anfang des Jahres angekündigt worden.

Una Gonschorr habe von der Schließung ganz rabiat und ohne Vorankündigung erfahren, so sagt sie. „Ihr müsst sofort raus. Wir haben eure Sachen schon in den Keller gebracht,“ habe ihnen die Sekretärin des Trägers erklärt.  Darüber sei sie sehr traurig gewesen. Der Verein FSE Pflegeeinrichtungen GmbH stellt das nach KURIER-Anfrage anders dar: „Unsere Kooperationspartner wurden im Februar über die Schließung informiert“, teilte ein Unternehmenssprecher dem KURIER mit. Sie hätten sich auch intensiv bemüht und in dieser wechselhaften Zeit Personalressourcen abgestellt, um für den Verein neue Räumlichkeiten zu beschaffen, bislang leider vergebens.

Vom Schicksal hart getroffen

Der Verein ist dringend auf einen Raum angewiesen, um dort die Kulissen, Kostüme und Requisiten unterzubringen und auch für die Aufführungen zu proben. Gerade erst hat das Team, das ausschließlich ehrenamtlich arbeitet, ein neues Musical in der Mache, in dem es um Diskriminierung geht, ein sehr wichtiges Thema bei Kindern, die an Krebs erkrankt sind und sich häufig von der Gesellschaft isoliert fühlen, so weiß Una Gonschorr. Sie weiß das so genau, weil sie gerade zu allem Übel auch noch selbst an Krebs erkrankt ist. Kurz vor Beginn der Corona-Krise ertastete sie gleich mehrere geschwollene Lymphknoten unter dem Arm und erhielt kurz darauf die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs. Seitdem kämpft sie nicht nur um ihren Verein, sondern auch um ihr eigenes Leben.

Doch obwohl das Schicksal sie hart getroffen hat, ist Una Gonschorr keine Frau, die so einfach aufgibt. Die selbst nach der elften Chemotherapie von insgesamt 24 noch herzhaft lachen kann. „Weil man immer den Moment genießen muss“, so sagt sie. Diese wertvolle Erfahrung habe sie aus ihrer Arbeit mit den todkranken Kindern mitgenommen und helfe ihr jetzt selbst.

Nun sucht Una Gonschorr händeringend einem neuen etwa 20 Quadratmeter großen Raum, der möglichst geruchsneutral und zentral in Charlottenburg, Schöneberg, Kreuzberg oder Moabit gelegen ist. „Geruchsneutral, weil wir alles möglichst steril lagern müssen, da wir es mit schwer kranken Kindern zu tun haben und zentral, weil wir für unsere Auftritte so viel mitnehmen müssen“, so die Vereinschefin. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre kleinen Zuschauer weiterhin glücklich zu machen.