Wegen der Corona-Krise lesen die Menschen wieder mehr Bücher.
Foto: Berliner Kurier/Markus Wächter

Hamsterkäufe gibt es nicht nur in Supermärkten: Auch Buchhändler erleben in der Corona-Krise, dass ihre Kunden beherzt zugreifen. In Zeiten der Kontaktsperre decken sich viele Berliner mit Lesestoff ein. Endlich haben sie die Muße, ein paar dicke Wälzer zu verschlingen. Der KURIER sagt, welche Bücher die großen Renner sind.

In Berlin gehören Buchläden zu den Geschäften, die trotz Corona noch öffnen dürfen. Bei „Uslar & Rai“ in der Schönhauser Allee 43 hat man sich trotzdem ganz auf den Lieferservice verlagert – mit Erfolg. „Unsere Bücher kommen nun per Fahrrad oder Post zu den Kunden“, sagt Chefin Katharina von Uslar.

Sie stellt fest, dass jetzt dicke Klassiker-Bände gefragt sind: „Der Zauberberg“ von Thomas Mann, „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil und „Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien. Passend zur Corona-Pandemie sei auch „Die Pest“ von Albert Camus wieder zum Kassenschlager geworden.

Drei Neuerscheinungen machen Laune

In Schöneberg hält Christiane Fritsch-Weith ihren Buchladen Bayerischer Platz weiterhin geöffnet. Die Leselust sei im Moment riesig. „Mir zeigt die Krise, dass Bücher absolut zeitgemäß sind“, sagt die Händlerin. Sie rät Kunden zu drei Neuerscheinungen, die in Krisenzeiten optimistisch stimmen.

Der Roman „Offene See“ von Benjamin Myers (Dumont, 20 Euro) entführt Leser, die jetzt wegen Corona nicht verreisen können, in herrliche englische Landschaften. „Hanami“ von Naoko Abe (S. Fischer, 23 Euro) handelt vom Zauber der japanischen Kirschblüte. Und: „Die goldenen Jahre des Franz Tausend“ von Titus Müller (Blessing, 20 Euro) lässt das Berlin der 20er-Jahre auferstehen.

Polit-Krimis und Gartenbücher

Die Kreuzberger Krimibuchhandlung Hammett in der Friesenstraße 27 verzeichnet in der Krise zwar ein Minus bei den Kundenbesuchen. Aber gestiegene Bestellungen lassen Mitarbeiter Robert Schekulin hoffen, „dass wir mit einem blauen Auge davonkommen“. Der Monats-Beststeller sei ein packender Polit-Krimi, der in Venedig spielt – „Der freie Hund“ von Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo (Kiepenheuer und Witsch, 16 Euro). Bei Fans historischer Romane komme der 1100-Seiten-Wälzer „Spiegel und Licht“ von Hilary Mantel (Dumont, 32 Euro) bestens an.

Buchhändler schilderten dem KURIER auch, dass jetzt Hobby-, Koch- und Gartenbücher angesagt sind, genau wie Beschäftigungsbücher und Puzzles für Kinder. Man merkt: Viele Familien haben jetzt wirklich mehr Zeit, sich ihren privaten Leidenschaften zu widmen.