Stadtnatur-Rangerin Meike Borchert fischt neben Plastikmüll auch kleine Fische aus der ausgeworfenen Molchreuse. Foto: BLZ/Markus Wächter

Mit einer guten Portion Zuversicht fischt Meike Borchert die Molchreuse aus einem Gewässer eines Artenschutzgebietes an der Britzer Straße. Sie hofft, an diesem Tag neue Erkenntnisse über die Häufigkeit von Amphibien gewinnen zu können. Eine von Borcherts Aufgaben in der Natur ist die Kartierung von Flächen, also die zahlenmäßige Erfassung in einem bestimmten Gebiet. Oft geschieht dies bei ihr mit Molchen.

Borchert ist Biowissenschaftlerin und seit November letzten Jahres auch Stadtnatur-Rangerin im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Was auf den ersten Blick nach einem nachhaltigen Hobby klingt, finanziert seit kurzem den Lebensunterhalt für zwölf Menschen mit Naturbezug. Die Stadtnatur-Rangerinnen und -Ranger sind ein gemeinsames Projekt der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Stiftung Naturschutz Berlin, das zunächst bis Ende 2021 probeweise angelegt ist.

Artenschutz nicht mehr nur in ehrenamtlicher Hand

„Aufgaben wie Amphibienschutz, Vogelzählung oder der Umgang mit verletzten Tieren wurden in der Vergangenheit hauptsächlich von ehrenamtlichen Helfern übernommen“, sagt Nathalie Bunke. Sie ist stellvertretende Projektleiterin der Stiftung und selbst Rangerin in Steglitz-Zehlendorf. Mittlerweile sei aber auch in der Politik durchgesickert, dass dieser Artenschutz nicht nur auf ehrenamtlicher Basis stattfinden könne. „Deswegen gibt die Senatsverwaltung den Rangern nun hauptberuflich die Möglichkeit, ihre Arbeit in Fauna und Flora aufzunehmen.“

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Doch zu den Aufgaben der Stadtnatur-Ranger, die neben den Kiezen von Bunke und Borchert ebenso durch die Bezirke in Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Mitte und Neukölln streifen, zählt auch der Austausch mit den Berliner Bürgern. „Wir wollen die Menschen über besondere Tiere und Pflanzen in ihrem Kiez informieren, Ansprechpartner in Sachen Naturschutz sein und Umweltbildungsarbeit für Schulklassen oder Unternehmen leisten“, sagt Bunke.

Sie erklärt, dass es in Dialogen mit Bürgern oft darum ginge, herauszufinden, welche Flächen häufig genutzt würden, die jedoch für den Naturschutz von Relevanz seien. „Manchmal müssen wir Tierbesitzer darauf hinweisen, dass Hunde in bestimmten Gebieten den Artenschutz beeinträchtigen können, wenn sie frei herumlaufen“, sagt Bunke. Spezielle Ranger-Touren sollen in Zukunft – sobald die Corona-Krise dies zulässt – helfen Mensch und Natur noch mehr in Einklang zu bringen. In Planung ist zudem, die Ranger-Arbeit auf alle zwölf Berliner Bezirke auszuweiten.

Allein in Berlin 18 verschiedene Fledermausarten

Die Stadtnatur-Ranger erkennt man an der braun-grün-beigen Kleidung mit festem Schuhwerk, oft in Kombination mit einem Hut. Zur festen Dienstausrüstung von Borchert und Bunke gehören außerdem ein Fernglas, ein Tablet und ein Fledermausdetektor. Damit kann man anhand der Rufe die Fledermausart bestimmen. „Allein in Berlin gibt es 18 verschiedene Arten“, erzählt Bunke. Zusätzlich kann auf ein Schlauchboot zurückgegriffen werden, um auch auf dem Gewässer Amphibien zu kartieren.

Das Boot braucht Meike Borchert diesmal nicht. Sie kann die Molchreuse mit den Händen an Land ziehen. Beim genaueren Betrachten des Inhalts weicht Borcherts Zuversicht allerdings etwas. In die ausgeworfene Reuse sind ihr diesmal keine Molche gegangen, dafür kleine Fische. Mehr Erfolg hat Borchert ein paar Meter weiter. Auf einer tags zuvor aufgehängten Wildkamera an einem kleinen Gewässer sieht sie Füchse und eine Elster. In Tempelhof-Schöneberg gibt es an diesem Nachmittag doch noch etwas zu kartieren.