Mitarbeiter vom Gesundheitsamt in Mitte halten ein Abstrichstäbchen in ein Autofenster in einer ambulanten Corona Test-Einrichtung Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die Berliner Amtsärzte haben den Senat in einem offenen Brief scharf kritisiert. Er ist an Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) adressiert. Die Ärzte werfen ihr vor, sie hätten die Informationen zum neuen Berliner Ampel-Warnsystem und zur neuen Berliner Teststrategie ausschließlich aus der Presse erfahren. «Wir Berliner Amtsärzte und Amtsärztinnen machen darauf aufmerksam, dass wir fachlich-medizinisch in keiner Weise angehört wurden oder eingebunden waren», heißt es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Bürger und Bürgerinnen wenden sich an uns mit Anfragen, die wir nicht beantworten können.» Das führe zu Irritationen und Verunsicherungen in der Bevölkerung.

«Wir Amtsärzte und Amtsärztinnen setzen wir auf möglichst evidenzbasierte Entscheidungen und wissenschaftliche Empfehlungen wie beispielsweise aus dem RKI und medizinischer Fachgesellschaften. Auf dieser Grundlage arbeiten die Gesundheitsämter erfolgreich», heißt es in dem Schreiben weiter. So zeige die Kontaktpersonennachverfolgung der Gesundheitsämter ihre Wirkung, ebenso die gezielte Abstrich-Strategie basierend auf den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. «Eine ungezielte Testung ohne medizinische Indikation lehnen wir ab. Auch das gestern öffentlich vorgestellte Ampelsystem ist medizinisch für uns nicht nachvollziehbar.»

Die Amtsärztze haben ihre Beteiligung beim Erarbeiten einer fachlich untermauerten Gesamtstrategie angeboten, die für die Akzeptanz in der Berliner Bevölkerung notwendig sei. Unterschrieben ist der offene Brief von der Sprecherin der Amtsärzte, Nicoletta Wischnewski.

Gesundheitssenatorin Kalayci hatte das neue Berliner Warnsystem für die Corona-Pandemie am Dienstag vorgestellt. In dem Ampelsystem sind die Reproduktionsrate, die Zahl der Neuinfektionen und die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten die entscheidenden Warnfaktoren. Für die drei Kriterien wurden jeweils Grenzwerte festgelegt. Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid hatte daran bereits deutliche Kritik geübt.