Auch Weltmeister können floppen: 2002 holte Hertha BSC den Brasilianer Luizao nach Berlin – nach zwei Jahren zog es den Stürmer zurück in seine Heimat. Imago

Als der junge Franzose Myziane Maolida bei der jüngsten 1:3-Niederlage der Hertha gegen den 1. FC Köln beim Stand von 0:0 eine hundertprozentige Chance zögerlich vergab, musste ich unwillkürlich an Mittelstürmer Krzysztof Piatek denken. Der wechselte vorige Woche zum AC Florenz. Hätte der „extrem starke Abschlussspieler“ – so nannte ihn Bruno Labbadia – aus dieser Position getroffen? Ich denke schon. Doch das ist graue Theorie.

Der Abgang des polnischen Nationalspielers, für den Hertha einst 24 Millionen Euro Ablöse hinblätterte, wird als Irrtum des Managements in die Hertha-Historie eingehen. Mancher wird ihn gar als „Transfer-Flop“ einstufen. Ich bezeichne ihn lieber als „teures Missverständnis“, als einen Großverdiener, der bei Hertha fremdelte.

Herthas kuriose Transfer-Flops

Zur Verteidigung des zuvor in der italienischen Serie A erfolgreichen Torjägers ist anzuführen, dass er binnen knapp zwei Jahren fünf Trainer erlebte, nicht ins System passte und kaum Mitspieler vorfand, die ihn mit Vorlagen und Flanken fütterten. Die kurze Berlin-Geschichte von Piatek hat mich aber animiert, an andere, teils kuriose Transfer-Flops der Hertha zu erinnern.

Da wäre der brasilianische Weltmeister von 2002 mit dem klangvollen Namen Luiz Carlos Bombonato Goulart, kurz Luizao genannt. Der Back-up des großen Ronaldo bei der WM wurde öffentlichkeitswirksam zum 110. Geburtstag der Hertha verpflichtet. Nach seiner Präsentation flogen Luizao und Manager Dieter Hoeneß standesgemäß mit dem Hubschrauber nach Aue, wo Hertha im Ligapokal mit 6:5 nach Elfmeterschießen gegen den FC Bayern gewann.

Hatte Luizao in Brasilien in 123 Erstligaspielen 64 Tore geschossen, nahmen sich danach die vier Treffer in 26 Bundeligaspielen für Hertha sehr mickrig aus. Von Verletzungen und Heimweh geplagt verließ Luizao nach zwei Spielzeiten Berlin.

Nur zwei Einsätze für Sinan Kurt

Zu den absoluten Flops zähle ich die Verpflichtung des „ewigen“ Talents Sinan Kurt, der sich selbst arg überschätzte. Der FC Bayern, einige Nummern zu groß für Kurt, gab ihn 2016 für 500.000 Euro Ablöse an Hertha ab. In Berlin fiel er durch körperliche Defizite und Mentalitätsprobleme auf, kam auf zwei Erstligaspiele und verließ die Stadt.

Sinan Kurt fehlte nicht nur bei Hertha BSC die richtige Einstellung, um sein Talent zu nutzen. Imago

Kurioses umgab einst auch den Wechsel des leider früh verstorbenen Österreichers Ernst Ogris zu Zweitligazeiten 1993 von Admira Wien nach Berlin. Hertha war stolz wie Bolle, einen bekannten Nationalspieler verpflichtet zu haben. Ernst Ogris hatte aber erst ein Länderspiel bestritten. Für Hertha schoss er sieben Tore in 21 Partien. Sein älterer Bruder, die Austria-Legende Andreas Ogris (63 Länderspiele), galt als große Nummer in Österreich. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, Hertha habe den falschen Bruder verpflichtet …

Bobic kann sich keine Flops leisten

Noch eine Episode zu guter Letzt, die aus einer längst vergangenen Fußballwelt daherkommt. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga 1990 fahndete Hertha nach Stürmern. Trainer Werner Fuchs zappte durch die TV-Sender und blieb bei einem Spiel der holländischen Liga hängen. Er sah, wie der Engländer Mark Farrington drei herrliche Tore für Fortuna Sittard erzielte. Hertha holte den Angreifer sofort für 500.000 Mark Ablöse nach Berlin.

Die Krux: Niemand im Verein, weder der Trainer noch die Scouts, hatte den Spieler jemals live gesehen. Farrington wurde zu einem großen Flop, kam zu neun Kurzeinsätzen und blieb ohne Torerfolg. Schon nach einem halben Jahr verließ er den Klub. Er ist bis heute der einzige Engländer geblieben, der für Hertha in der Ersten Bundesliga auflief.

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Mark Farrington (2. v. r.) machte im Trainingslager 1990/1991 in Bevern eine gute Figur. Überzeugen konnte der Engländer aber nicht, sodass er Hertha nach sechs Monaten wieder verließ.

Solch ein „Flop mit Ansage“ wird heute nicht mehr passieren. Trainer und Manager haben wie bei Hertha BSC einen riesigen Stab an Helfern zur Verfügung – Kaderplaner, Scouts und Analysten –, die bei der Suche nach neuen Spielern involviert sind.

Hertha, das steht für mich fest, benötigt dringend neues Personal – noch im Januar und auch im Sommer. Transfer-Flops kann sich Sportchef Fredi Bobic dabei nicht leisten.

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