Sportchef Fredi Bobic sprach offen über interne Konflikte bei Hertha BSC, sieht den Klub aber auf einem guten Weg. City-Press

Fredi Bobic musste auf der Mitgliederversammlung mehrfach tief durchatmen. Ganz klar: So schwer hat es sich der ehemalige Stürmer als neuer Sportchef von Hertha BSC nicht vorgestellt. Bei seiner Rede nahm er kein Blatt vor den Mund und belegt damit, wie tief die Gräben bei Hertha BSC waren, aber auch noch sind. In der Mannschaft, auf der Geschäftsstelle, im Präsidium. Zu viele Löcher bei Hertha BSC: Fredi Bobic findet den Maulwurf nicht! 

„Keine Ahnung, wie viele Falschmeldungen ich mit Absicht produziert habe, um zu sehen, wo die Löcher intern sind“, erklärte Bobic und sorgte mit seiner Maulwurf-Suche für viele Lacher, aber auch einiges an Staunen.

Auch danach sprach der Sportchef Klartext. Sein erstes Jahr bei Hertha BSC hatte er sich ganz anders vorgestellt. Bobic über seine harte Hertha-Welt: „Es war sicherlich kein leichter Start, wenn man reinkommt und merkt, mhm, hier läuft irgendwas nicht richtig.“

Das galt für die Mannschaft auf dem Feld, aber auch für die im Büro. Bobic: „Ich habe vergangenen Sommer versucht, allen in den leitenden Funktionen Vertrauen zu schenken. Auch denen, die schon da waren. Da haben mich einige positiv überrascht, aber einige auch negativ, die es einfach nicht hinbekommen haben.“

Hertha BSC: Konflikte auf der Geschäftsstelle

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Finanz-Boss Ingo Schiller (r.) verlässt Hertha BSC nach mehr als 25 Jahren, bekam auf der MV von Mitgliedern viel Applaus für seine Arbeit.

Zur Erinnerung: Als Nachfolger von Ex-Manager Michael Preetz brachte Bobic eine ganze Armada von neuen Mitarbeitern aus Frankfurt mit ins Westend, was für Ärger sorgte, wie Bobic verriet: „Es gab aber auch Verstimmungen zwischen den Mitarbeitern. Das ist auch normal. Aber wir haben zu viele Gräben, auch bei uns auf der Geschäftsstelle. Wenn wir uns zerfleischen, wird es nicht funktionieren.“

Dass immer wieder interne Informationen den Weg nach draußen finden, bezeichnete Bobic als „Virus, das frisst dich von innen auf“. Alle Löcher im blau-weißen Käse hat der Hertha-Boss aber noch nicht stopfen können. Jüngste Beispiele: Der Rücktritt von Finanz-Boss Ingo Schiller und die Berichte, dass Sandro Schwarz neuer Cheftrainer werden soll.

Fredi Bobic wirbt für eine neue Hertha-Kultur

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Hertha-Manager Fredi Bobic (l.) begrüßt Investor Lars Windhorst auf der Mitgliederversammlung.

Bobic, der sich zuvor selbstkritisch über seine Aktivitäten auf dem Transfermarkt und bei der Trainerwahl äußerte, blickt lieber nach vorn. Damit Hertha nicht mehr wie von einem Mitglied als „peinlichster Verein der Nation“ wahrgenommen wird, plädierte Bobic für eine neue blau-weiße Kultur: „Ich sehe so viel Talent bei Hertha BSC. So schlecht sind wir nicht. Aber wir müssen aufpassen, wie wir miteinander, wie wir übereinander reden. Am Ende des Tages wird es nur zusammen gehen.“

Den Mitgliedern, die teilweise pfiffen und mit Zwischenrufen störten, aber in der großen Mehrheit sehr genau lauschten, was Bobic zu sagen hatte, und am Ende den Sportchef mit großem Applaus verabschiedeten, versprach Bobic: „Wir haben vieles zum Positiven verändert. Das kann man vielleicht noch nicht sehen oder messen. Aber es wird werden. Wir haben Ideen, ich habe Ideen. Die werde ich mit dem neuen Präsidium, mit dem neuen Aufsichtsrat besprechen.“

Ruhiger wird es bei Hertha BSC nicht

Dabei warb der Schwabe bei den Mitgliedern um Geduld und vor allem konstruktive Kritik: „Es wird weiter größere Veränderungen geben. Wir müssen Geld einnehmen, um Geld ausgeben zu können. Aber wir dürfen nicht immer alles sofort negativ sehen. Das gilt auch für den neuen Trainer.“

Kaderumbau, Trainersuche, die Präsidentschaftswahl am 26. Juni, dazu die gespaltene Basis, was den Investor Lars Windhorst betrifft, und natürlich die Suche nach den Maulwürfen. Kurzum: Bei Hertha liegt weiter vieles im Argen. Ruhiger wird es also so schnell trotz Bobics Wunsch kaum werden ...

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