Jhon Cordoba auf dem Boden der Tatsachen. Mit seinen Sturmkollegen gab es in der zweiten Halbzeit keine Torchance für Hertha. Foto: imago images/Volkmann

Hinten hui, vorne pfui! So wird es für Hertha BSC ganz schwer, den Klassenerhalt zu schaffen. Trainer Pal Dardai schlägt nach dem 0:2 in Dortmund wegen der dürftigen Offensive zum ersten Mal richtig Alarm! Dienstag will er sich seine Harmlos-Stürmer zur Brust nehmen.

In der Defensive klappte alles nach Plan. Sogar BVB-Wunderstürmer Erling Haaland (19 Saisontore) wurde kaltgestellt. „Die hintere Kette funktioniert. Da haben sie alles gut gemacht. Doch dann kommen die Bälle nach vorne und es passiert nicht viel. Da mache ich mir Sorgen“, so Dardai.

Das Erschreckende: Der Trainer verstärkte in der zweiten Hälfte die Offensive, wechselte zum Beispiel Stürmer Dodi Lukebakio für den viel defensiveren Marvin Plattenhardt ein und brachte Flügelflitzer Mathew Leckie für Deyo Zeefuik. Doch statt besser wurde es schlechter. „Wir hatten keine Torchance in der zweiten Halbzeit. Da fehlt etwas, wir bringen Angriffe nicht zu Ende. Da fehlt mir der Mut. Die Spieler waren blockiert. Wir müssen mit Elan und Begeisterung nach vorne spielen“, fordert Dardai.

Der Ungar hat in sieben Wochen die Defensive umgekrempelt und stark verbessert. Doch er steht jetzt vor dem selben Problem wie sein Vorgänger Bruno Labbadia. Der Sturm zeigt sich weiterhin nicht bundesliga-tauglich, obwohl alle Offensivkräfte als Einzelspieler überdurchschnittlich gut sind.

Die einfache Rechnung: Wenn die Abwehr kein Gegentor kassiert, aber der Sturm nicht trifft, geht jedes Spiel 0:0 aus. Dann hätte Hertha bei neun Restspielen am Ende nur 30 Punkte. Das ist höchstwahrscheinlich der Abstieg.

Dardai ist enttäuscht, denn er hatte vor dem Dortmund-Spiel noch ein gutes Gefühl. „Aber ich mache jetzt keine Panik, ich bleibe ruhig“, so der Coach. Denn er hat für seine persönliche Beruhigung schon vorher ausgerechnet, wie viele Punkte Hertha in seinen ersten acht Spielen holen muss – nämlich nur sieben Zähler. „Wenn wir nächsten Sonntag gegen Leverkusen gewinnen, ist das noch zu erreichen“, so Dardai.

Der Ungar zieht jetzt die Zügel an. Dass er ungemütlich werden kann und ziemlich konsequent ist, zeigt die Tatsache, dass er Santiago Ascacibar und Matteo Guendouzi für Dortmund kurzerhand aus dem Kader strich. Dardai: „Wenn jemand sich körperlich oder mental nicht gut fühlt, fährt er nicht mit. Ich brauche nur Spieler, die auch psychologisch mit der Situation umgehen können.“

Hertha, es wird immer härter.