Sänger Frank Zander will am Sonnabend gegen Mainz seiner Hertha-Hymne in der Ostkurve singen und so den Streit zwischen Ultras und Spielern schlichten. Foto: Imago

Nun ist das Szenario schon wieder einige Tage her, aber je länger ich über das Tor von Arminia Bielefeld zum 1:1 gegen Hertha in der Nachspielzeit nachdenke, umso ärgerlicher finde ich es. Ein knapper 1:0-Sieg auf der Alm hätte allen, die es mit der Hertha halten, viel Aufregung erspart. Die Konstellation im heftigen Abstiegskampf ist kompliziert und erstreckt sich leider über drei Tage.

Schon am Freitagabend empfängt der VfL Bochum die Arminia aus Bielefeld. Sollte der Dortmund-Bezwinger Bochum gewinnen, kann Hertha nicht mehr direkt absteigen. Siegt Hertha am Sonnabend selbst gegen Mainz kann in Berlin gefeiert werden, passiert das nicht, richtet sich der Blick auf die Sonntag-Partie Bayern München contra VfB Stuttgart. Jetzt heißt es für alle Herthaner, die Nerven zu bewahren und auf Taktik-Fuchs Felix Magath zu vertrauen.

Hertha braucht die Fans für den Klassenerhalt

Am Sonnabend um 18.30 Uhr muss das Olympiastadion möglichst ausverkauft sein und wie ein Mann hinter Hertha stehen. Da macht es sich schlecht, dass ausgerechnet in dieser Situation der heftige Streit zwischen den Hertha-Profis und den härtesten Fans aus der Ostkurve weiter schwelt und noch nicht beendet ist.

Die Ultras kehrten ja nach zwei Jahren Abwesenheit wegen der Pandemie-Beschränkungen (Motto: „Wir kommen erst wieder, wenn alle ins Stadion dürfen“) zum Derby gegen den 1. FC Union in die Ostkurve zurück. Nach der 1:4-Pleite gegen Union aber zwangen einige Ultras die Spieler, ihre Trikots auszuziehen und auf den Boden zu werfen. Seitdem ignoriert die Mannschaft die Kurve, was ich verstehen kann.

Hertha-Fans sorgen für gute Stimmung

Das passierte auch in Bielefeld. Ich habe den Ur-Herthaner Helmut Friberg gefragt, wie die Atmosphäre auf der Alm gewesen ist. „Die Spieler sind nach dem Abpfiff nicht zu unserem Block gekommen, wo rund 3.000 Fans aus Berlin standen. Nur die Torhüter haben beim Aufwärmen vor dem Spiel kurz in unsere Richtung gewunken.“ Der 65-jährige, seit den 1970er Jahren im „Anhängerclub Oberring“ organisiert, erlebte sein 718. Auswärtsspiel mit der Hertha! Für solch eine Vereinstreue hätte er einen Orden verdient.

Friberg spricht drastisch von „Kinderkacke“, wenn es um den Konflikt geht und fordert: „Der muss beendet werden!“ Er sieht die Hauptursache für den Zorn der Fans im Versagen gegen den Stadtrivalen Union. Da das Team gleich dreimal in einer Saison gegen die Köpenicker verloren hatte – zweimal sogar sang-und klanglos – sei der Frust riesengroß gewesen.

Hertha-Trainer Magath fordert Fan-Annäherung

Beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (2:0) aber war die Unterstützung durch die Fans „sogar mega“, findet Friberg. Das kann auch ich als Augenzeuge bestätigen, die Stimmung war großartig. Aber auch nach diesem Sieg seien die Profis nicht einmal am Familienblock oder den vielen anderen Hertha-Unterstützern im Stadion vorbeigekommen. „Man muss doch alle mitnehmen“, sagt Friberg.

Cheftrainer Felix Magath fordert nun: „Das Thema muss vom Tisch! Bis Sonnabend müssen sich alle annähern!“ Recht hat er.

Auch Entertainer Frank Zander, Liebling vieler Fans, ärgert die Situation zwischen Profis und Anhang. Er verweist auf die berühmte Vereinshymne „Nur nach Hause geh‘ n wird nicht“, deren Inhalt ja das Gemeinschaftsgefühl beschwört. Zander konnte wegen der Pandemie lange Zeit die Hymne nicht mehr wie gewohnt live vor der Ostkurve zelebrieren.

Frank Zander will in Herthas Ostkurve singen

Für Donnerstag hatte er einen Flug nach Ibiza gebucht, wo er nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wieder Urlaub verbringen will. Zander sagte mir: „Doch wenn Hertha mir einen Auftritt gegen Mainz ermöglicht, singe ich live und versuche, Mannschaft und Fans ein gutes Stück zusammenzubringen. Dann buche ich um und fliege später.“

Hertha signalisierte Entgegenkommen. Wahrscheinlich mischt sich Zander nun direkt unter die Fans in der Ostkurve und singt dort gemeinsam die Hymne. Motto: „Mittendrin, statt nur dabei!“ Gut so!

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