Präsident Werner Gegenbauer sieht sich einer wachsenden Opposition im Verein gegenüber. Hertha-Mitglied Sebastian Stargard macht seinen Abwahlantrag öffentlich. Foto: City-Press, zVg (2)

Montag wird ein Einschreiben auf Herthas Geschäftsstelle ankommen. Der Inhalt ist brisant: Das erste Vereinsmitglied stellt einen Abwahlantrag gegen Präsident Werner Gegenbauer (71). Über den soll am 29. Mai auf der Mitgliederversammlung abgestimmt werden. Die nächste Eskalationsstufe nach dem Zoff mit Investor Lars Windhorst ist beim blau-weißen Krisenklub erreicht.

Sebastian Stargard hat einen Abwahlantrag gegen Gegenbauer gestellt. Foto: zVg

Sebastian Stargard heißt der Mann, der jetzt mit seinem Abwahlantrag Gegenbauer nach 14 Jahren Amtszeit stürzen will. „Ich bin nicht der Einzige, der so denkt. Ich bin gut vernetzt im Verein. Es kann angehen, dass es noch weitere Abwahlanträge geben wird. Und um gleich Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe nichts mit Herrn Lars Windhorst zu tun“, sagt Stargard.

Der Investor hatte vergangene Woche erklärt, dass auf der Mitgliederversammlung etwas passieren müsse, und direkt zur Revolte gegen Gegenbauer aufgerufen. Stargard ist dagegen schon viel länger ein Gegenbauer-Kritiker. „Der benutzt Hertha BSC nur als sein Spielzeug“, sagt er.

Hertha BSC: Kritik an Werner Gegenbauer wächst

Das ist das brisante Papier, das den Sturz von Gegenbauer einleiten soll. Foto: zVg

Die Begründung für die Abwahl gleicht einer brutalen Abrechnung mit dem Präsidenten. „Vom Europa-Cup-Teilnehmer zum dauerhaften Abstiegskandidaten, finanzielle Misswirtschaft, katastrophale Außendarstellung, desaströses Vorgehen beim Stadionthema, keine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Investor, untragbare Spielertransfers, keine Kontinuität auf der Trainerbank (16 Trainer in 14 Jahren)“, heißt es in dem Schreiben.

Und als weiteres Argument, das besonders schmerzhaft für alle Herthaner ist: „Mit Union hat uns selbst der Stadtrivale überholen können, der zu Beginn der Amtszeit von Herrn Gegenbauer noch Drittligist war.“

Es rumort unter den Mitgliedern. Die Unzufriedenheit war schon bei der Wiederwahl Gegenbauers im Oktober 2020 da. Ohne Gegenkandidaten stimmten nur 54 Prozent für ihn. Die Kritik an dem lange Jahre alternativlosen und unumstrittenen Präsidenten wächst nach der dritten Krisensaison in Folge, bei der Hertha momentan mal wieder auf Relegationsplatz 16 um den Klassenerhalt kämpft.

Hertha BSC: 75 Prozent müssen gegen Gegenbauer stimmen

Doch kann der Abwahlantrag überhaupt erfolgreich sein? Das geht nur mit einer Mehrheit von 75 Prozent. Drei von vier Herthanern müssten also gegen Gegenbauer stimmen. Der Präsident konnte bisher damit bei den Mitgliedern punkten, dass er nicht nur glaubhaft versichert hat, für die Autonomie des Vereins gegenüber Investoren zu stehen. Er hat es auf tragische Weise sogar zur Konfrontation mit Windhorst kommen lassen.

Stargard geht aber einen Schritt weiter und sagt: „Wenn Herr Gegenbauer bei diesem Abwahlantrag nicht mehr als 50 Prozent der Mitglieder auf seine Seite bekommt, sollte er freiwillig zurücktreten.“

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Was würde beim Gegenbauer-Aus Ende Mai passieren? Zunächst würde ein kommissarischer Boss aus den Reihen des Präsidiums bestimmt. Der bleibt so lange im Amt, bis auf einer darauffolgenden außerordentlichen Mitgliederversammlung ein neues Präsidium gewählt wird.

Ob der mögliche neue Boss dann einen Bundesligisten oder einen Zweitligisten regiert, steht auf einem anderen Blatt …

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