Herthas Fans hingen einen 10-Meter langes Plakat beim Eingang zum Hertha-Gelände auf: Schande!
Herthas Fans hingen einen 10-Meter langes Plakat beim Eingang zum Hertha-Gelände auf: Schande! Foto: Imago Images/Räppold/Koch

Das Jahr ist noch jung, doch der Hertha-Blues sitzt schon ganz tief in der blau-weißen Seele. Enttäuschung, Frust, Wut nach dem 2:3 im DFB-Pokal gegen den 1.FC Union. Es ist nicht das Ergebnis, es die Art und Weise der Niederlage, die viele fassungslos macht. Es war nicht nur ein Derby, es war ein K.o.-Spiel. Kampf und Wille inklusive. Doch davon war bei den Hertha-Profis beim Anpfiff für eine halbe Stunde gar nichts zu sehen.

Als die blau-weißen Spieler Donnerstagmorgen nach der Schmach auf das Hertha-Gelände fuhren, wurden sie von einem 10 Meter langen Banner am Zaun in der Hanns-Braun-Straße begrüßt. Nur sieben Buchstaben standen darauf: S-C-H-A-N-D-E. Fans hatten es dort platziert. Es war nicht nur eine Frust-Aktion. Es war ein pädagogischer Zeigefinger für die Derby-Versager. Jedem Spieler sollte klar werden, wie tief diese Niederlage bei den Anhängern sitzt.

Korkut: „Die Reaktion der Fans ist nachvollziehbar“

Schon beim Spiel skandierten die Fans im Olympiastadion: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ Und: „Wir haben die Schnauze voll!“ Die Wut ist mal wieder da. Trainer Tayfun Korkut: „Wir haben ein Derby verloren und da ist die Reaktion der Fans absolut nachvollziehbar. Da kochen Emotionen hoch.“

Nicht mal Söhnchen Gabriel Soan konnte Kapitän Dedryck Boyata trösten. 
Nicht mal Söhnchen Gabriel Soan konnte Kapitän Dedryck Boyata trösten.  Foto: Imago Images/Koch

Kapitän Dedryck Boyata ging mit seinem zweijährigen Sohn Gabriel Soan nach dem Spiel zu den Anhängern und redete mit ihnen. Doch auch er sagte später: „Wir haben wieder so einen dummen Fehler gemacht – so wie am Anfang der Saison. Wir müssen es einfach alle besser machen, da fasse ich mir auch an die eigene Nase.“

So wie am Anfang der Saison – das sagt ziemlich viel aus. Eine echte Entwicklung des Teams ist noch immer nicht zu sehen. Selbst der Trainerwechsel von Pal Dardai zu Korkut hat bisher keinen entscheidenden Schritt nach vorne gebracht. Mehr Mut, mehr Wille, mehr Offensive sollte es geben. In den ersten, letztlich entscheidenden 30 Minuten gegen Union sah man nichts davon. „Wenn man sich die erste Halbzeit und besonders die erste halbe Stunde anschaut, muss man sagen: Wir waren nicht im Spiel“, sagt Korkut.

Die Wahrheit ist aber auch: Sein Kollege Urs Fischer hat mit seiner Marschroute, einem aggressiven Stakkato-Pressing in der ersten Viertelstunde, alle überrascht. Das Schweizer Ceverle ließ einfach so spielen, wie es Hertha als Heimmannschaft machen wollte. Die Blau-Weißen kamen gar nicht nach vorne. „Wir haben dann umgestellt, danach lief es besser“, erklärt Korkut. Doch gereicht hat es eben nicht.

Bäumt sich Hertha gegen Bayern auf? 

Maxi Mittelstädt war nach dem Abpfiff total gefrustet.
Maxi Mittelstädt war nach dem Abpfiff total gefrustet. Foto: dpa

Die Sätze von Fischer tun dann noch mehr weh, wenn er über seine Sieger sagt: „Die Mannschaft wollte unbedingt, hat den Willen gezeigt, unbedingt im Pokal weiterzukommen.“ Genau das haben alle bei Herthas Profis vermisst. Korkut: „Das war ein sehr, sehr wichtiges Spiel, für die Fans, für den Verein. Einfach abhaken, so wird das nicht laufen. Da waren Sachen dabei, die uns so nicht passieren dürfen. Wir gehen das lösungsorientiert ran. Analytisch und psychologisch.“

Korkuts Ton in der Kabine wird schärfer. Man hat den Eindruck, dass ihm jetzt erst bewusst wird, auf was er sich bei diesem Job eingelassen hat. „Jede Sekunde zählt in den nächsten Tagen, wir müssen wacher werden. Wir spielen Sonntag gegen die Bayern, da bleibt nicht viel Zeit.“

Der nächste Tiefschlag ist wahrscheinlicher als eine Wende ausgerechnet gegen den Rekordmeister.

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