Hertha-Präsident Werner Gegenbauer (l.) und Investor Lars Windhorst arbeiten seit Sommer 2019 zusammen.  Imago

Was rieben sich viele bereits die Hände. Durch das Mega-Investment von Lars Windhorst in Höhe von 374 Millionen Euro sah die Zukunft von Hertha BSC so rosig aus. Doch mittlerweile schlagen die Blau-Weißen andere Töne an, die an vergangene Zeiten erinnern. Hertha verpasst sich einen Sparplan. 

Der Transfer-Frust war groß, vor allem, weil Herthas Social-Media-Abteilung den Fans am Deadline-Day große Hoffnungen machte.

Dass Hertha wieder kleinere Brötchen backen muss, kündigte Arne Friedrich (42) bereits vorher an. Herthas Sportdirektor: „Es gibt immer einen wirtschaftlichen Aspekt. Transfers, die in die 20 Millionen gehen, werden wir nicht sehen, da wollen wir Abstand nehmen.“ Friedrich setzte sogar noch einen drauf: „Es wird nicht passieren, dass wir eingenommenes Geld 1:1 wieder ausgeben.“

Wo sind all die Windhorst-Millionen hin?

Gesagt, getan: Erstmals seit Windhorsts Einstieg 2019 erzielte Hertha wieder einen Transferüberschuss. Fast 30 Mio. Euro nahm Sportchef Fredi Bobic nach zwölf Abgängen und acht Zugängen ein. Doch der Sparplan wirft eine Frage auf: Wo sind all die Windhorst-Millionen hin?

Schulden und Kredite: Eine großer Batzen wurde gebraucht, um Schulden (71,2 Mio. gingen allein für den Rückkauf der Anteile des Finanzinvestors KKR drauf) und Kredite (50 Mio.) zurückzubezahlen.

Neue Spieler: Danach floss viel Geld in den Kader. Erster Zugang dank der Windhorst-Millionen war Dodi Lukebakio (20 Mio.) im Sommer 2019. Im Januar 2020 machten Ex-Manager Michael Preetz und Kurzzeit-Trainer Jürgen Klinsmann Hertha dann zum Ausgaben-Weltmeister, zahlten knapp 80 Mio. für vier Spieler (Lucas Tousart (25 Mio.), Krzysztof Piatek (24 Mio.), Matheus Cunha (18 Mio.) und Santiago Ascacibar (12 Mio.).

Gehälter, Abfindungen und Investitionen: Weil die Stars alle mehr verdienen, wuchs auch der blau-weiße Etat um fast 15 Mio. an. Für ein Millionen-Loch sorgten auch Beraterhonorare und vier Trainerwechsel. Sinn machte die Investition von rund fünf Mio. Euro für den Ausbau des medizinischen Bereichs und der Geschäftsstelle an der Hanns-Braun-Straße. 

Corona-Krise: Ohne Zuschauer verbuchte Hertha allein in der vergangenen Spielzeit ein Minus von rund 60 Mio. Euro. Gleichzeitig purzelten die Marktwerte der Spieler.

Bobic prophezeit Hertha „steinigen Weg“

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Sportchef und Sportdirektor: Fredi Bobic (l.) und Arne Friedrich schauen regelmäßig den Hertha-Profis beim Training auf die Füße.

Bedeutet: Mehr als 300 Mio. der Windhorst-Kohle sind bereits weg! Fakt ist aber auch: Ohne den Investor hätte Hertha die Krise nur schwer überlebt. Präsident Werner Gegenbauer: „Wir wären sicher ernsthaft ins Trudeln kommen.“ Auch deswegen erteilte Finanz-Boss Ingo Schiller bereits im vergangenen Herbst einer ähnlichen Transfer-Offensive eine Absage, sagte vielmehr: „Wir sind daher gut beraten, gewisse Reserven aufzubauen.“

Genau das macht Preetz-Nachfolger Bobic jetzt. Schwer erziehbare und teure Stars wurden aussortiert. Vom Rest fordert Bobic: „Ich will Spieler sehen, die mit dem Herzen dabei sind und das Trikot mit Stolz tragen. Ich will Spieler sehen, die arbeiten. Denn dieser Weg wird steinig sein.“

Insbesondere, weil dieser Weg auch finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet ist …