Längere Haare, aber weiterhin voller Tatendrang: Herthas Vize-Kapitän Niklas Stark. Foto: Michael Hundt

Berlin – Er muss es wissen. Bereits zweimal zwang die Corona-Krise Niklas Stark in Quarantäne. Dennoch: Herthas Verteidiger spricht sich klar für einen Restart der Bundesliga aus. Angst vor einer Infektion mit Covid-19 hat Stark nicht. Ein bisschen mulmig ist ihm aber schon.

„Man sollte mit dem Thema vorsichtig umgehen, Respekt davor haben. Das hat die jüngere Vergangenheit gezeigt“, erklärt Stark per Video-Talk über den geplanten Neustart: „Man hat das im Hinterkopf, sollte aber trotzdem versuchen, seinem Beruf nachzugehen, um Normalität ins Leben zu bekommen.“

Wirklich normal war in den vergangenen Wochen besonders für Stark nichts. Erst musste er mit dem gesamten Team in Quarantäne, nachdem sich Maximilian Mittelstädt (23) infiziert hatte. Kaum wieder draußen, hatten Stark und Marius Wolf (24) Kontakt zu einem privaten Physiotherapeuten, der kurze Zeit später positiv getestet wurde (KURIER berichtete) – und das Hertha-Duo erneut in häusliche Isolation zwang.  

Wir sind keine Maschinen, sondern Menschen, die auch bedürftig nach Freunden und Familie sind.

Niklas Stark

Die könnte ihm durch den Neustart erneut drohen. Den theoretischen Fall einer Komplett-Isolation von Teams bis zum Saisonende sieht Stark kritisch – und eher nicht umsetzbar. „Wir sind keine Maschinen, sondern Menschen, die auch bedürftig nach Freunden und Familie sind“, erklärt er: „Funktionieren könnte das. Die Frage wird aber sein, ob man das durchziehen kann.“

Den Ku'damm auf- und ablaufen

Die Sehnsucht nach Normalität ist beim 25-Jährigen nach seinen Corona-Erlebnissen groß: „Am meisten fehlt mir, im Café oder Restaurant in der Sonne zu sitzen, sich mit Freunden zu treffen.“ Sollten die Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden, das öffentliche Leben zurückkehren, plant Herthas Nationalspieler „den Ku'damm auf- und abzulaufen und in jedes Geschäft reinzuschauen.“

Bis dahin gilt der gesamte Fokus dem möglichen Neustart. „Als Fußballer will man das Ding zu Ende spielen“, sagt Stark trotz seiner Bedenken.

Dabei teilt er die Ansicht von seinem neuen Chef. Hertha-Trainer Bruno Labbadia (54) hatte mindestens zwei Wochen Teamtraining ohne Corona-Einschränkungen gefordert, um in eine vernünftige Verfassung zu kommen. „Am ersten Spieltag wird kein Team bei 100 Prozent sein“, sagt Stark.

Labbadia-Antritt im Video verfolgt

Nach vielen Verletzungen und seinem Stammplatz-Verlust unter Ex-Trainer Jürgen Klinsmann (55) schaut Stark lieber nach vorn: „Das war keine einfache Zeit. Jetzt wollen wir mit dem neuen Trainer erfolgreich sein. Was davor war, ist egal.“

Von Labbadia, dessen Antrittsrede er von zu Hause im Video-Stream verfolgte, erwartet er viel. „Man spürt seine Leidenschaft und Detailverliebtheit. Er hat einen klaren Plan.“

Wann Stark und seine Hertha-Kollegen ihn umsetzen dürfen, wird sich zeigen.