Präsident Werner Gegenbauer (l.) und Investor Lars Windhorst haben sich nichts mehr zu sagen. Tischtuch zerschnitten. Foto: City-Press

Hertha singt und kracht! Erleichterung und Jubel nach dem 3:0 gegen Hoffenheim bei allen – Spielern und Fans. Der Trainer-Methusalem Felix Magath (68), der seit einer Woche im Dienst ist, bringt trotz Corona-Quarantäne den ersten Sieg nach fünf Monaten und damit Hoffnung, dass die Blau-Weißen in der Bundesliga bleiben. Nicht mal 16 Stunden später ist die Freude verflogen. Investor Lars Windhorst sorgt für neuen Zoff und zettelt einen Machtkampf gegen Präsident Werner Gegenbauer an. Viele Fans schütteln ratlos den Kopf: Warum? Warum gerade jetzt?

Bei Bild-TV war Windhorst, der seit Sommer 2019 rund 374 Millionen Euro in den Klub gesteckt hat, eingeladen und setzte zum Frontalangriff gegen den Hertha-Boss an, der seit 14 Jahren im Amt ist: „Die Mitgliederversammlung ist in ein paar Wochen. Da macht es keinen Sinn, sich einen Tag vorher zu äußern, sondern schon mit etwas Verlauf. Es muss etwas passieren, denn sonst geht noch mehr Geld verloren und es gibt noch mehr Probleme und Abstiegskämpfe. Ich habe mir das gut überlegt.“

Windhorst will Gegenkandidaten unterstützen

Lars Windhorst im Olympiastadion. Schöne Hertha-Spiele hat er selten gesehen. Foto: Imago Images/Nordphoto/Engler

Windhorst fordert zur Revolte gegen Gegenbauer auf. Laut Satzung ist erst mal aber nur eine Abwahl möglich, keine sofortige Wahl eines neuen Präsidenten. Das müsste später passieren. Windhorst selbst will nicht kandidieren: „Für dieses Amt habe ich gar keine Zeit“, sagt er. Richtig ist: Er darf es laut DFL-Statuten auch nicht. Er würde aber einen Gegenkandidaten unterstützen.

Windhorst zog einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit Gegenbauer und kündigte seinen sofortigen Rücktritt aus dem Beirat an. Mehr Konfrontation geht nicht. Das Tischtuch ist endgültig zerschnitten. Windhorst wiederholte noch einmal seine Vorwürfe wie Klüngelei und Machterhalt und warf Gegenbauer zusätzlich vor, dass er Hertha „nur als sein Spielzeug“ betrachte.

Gegenbauer: Abrechnung erst nach Saisonende

Herthas Präsident Werner Gegenbauer spürt Gegenwind, nicht nur von Windhorst. Foto: Imago Images/Koch

Die Unzufriedenheit des Investors ist zu verstehen. Trotz jeder Menge Kohle hat sich bei Hertha in den vergangenen 32 Monaten nichts nach vorne getan – im Gegenteil. Die dritte Saison in Folge ist Abstiegskampf angesagt. Doch warum gerade jetzt diese Attacke?

Verein, Manager, Trainer, Spieler und Fans wollen in der Not zusammenstehen. Uneinigkeit ist gerade jetzt gefährlich. Das hat Windhorst nicht ganz verstanden. Er gießt mal wieder neues Öl ins Feuer. Gegenbauer selbst versuchte zu löschen und erklärte: „Unser Verein darf auch diese Aussagen von Herrn Windhorst zurzeit nur zur Kenntnis nehmen. Wir haben in dieser schwierigen Situation Trainer und Mannschaft versprochen, diese Dinge in den kommenden Wochen, nicht in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Sobald der Klassenerhalt endgültig gesichert ist, werde ich unsere Sichtweise deutlich darlegen.“

Egal, wie die Saison ausgeht: Hertha wird nicht zur Ruhe kommen. Nach dem Abstiegskampf gibt es den Machtkampf.

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>