Hertha-Boss Fredi Bobic lässt sich vom Spionage-Skandal um Investor Lars Windhorst (l.) nicht aus der Ruhe bringen.
Hertha-Boss Fredi Bobic lässt sich vom Spionage-Skandal um Investor Lars Windhorst (l.) nicht aus der Ruhe bringen. Imago/Matthias Koch, dpa/Sören Stache

Fredi Bobic hat die Ruhe weg. Klar, genervt ist der Boss von Hertha BSC wegen des im Raum stehenden Spionage-Skandals um Investor Lars Windhorst auch. Doch der Manager lebt allen Blau-Weißen vor, dass kein Grund zur Sorge besteht. Windhorst-Wirbel? So cool bleibt Bobic nach dem Spionage-Skandal.

„Das Sportliche macht total Spaß, da fühle ich mich am wohlsten. Aber wenn man in der Leitung ist, gibt es natürlich auch andere Themen, die dich konfrontieren. Damit muss man umgehen, ganz sachlich und nüchtern“, erklärte Bobic bei Dazn vor dem 2:2 gegen den SC Freiburg.

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Der Streamingdienst hatte zuvor in einem Einspieler behauptet, dass sich Präsident Kay Bernstein erst in ein bis zwei Wochen zu der Spionage-Affäre äußern wird. Bobic störte das: „Kay Bernstein hat überhaupt nichts groß zu erklären. Wir schauen zusammen, was wir wirklich an Material haben. Das wird ausgewertet von einer Kanzlei. Wir wollen das sachlich bewertet haben, ob sich das alles so darstellt, wie es am Ende des Tages vielleicht sein wird.“

Bobic gibt Hertha-Präsident Bernstein Rückendeckung

Hertha-Boss begrüßte Investor Lars Windhorst im Mai auf der Mitgliederversammlung. Die Zeit des Händeschüttelns scheint nun vorbei.
dpa/Soeren Stache
Hertha-Boss begrüßte Investor Lars Windhorst im Mai auf der Mitgliederversammlung. Die Zeit des Händeschüttelns scheint nun vorbei.

Zuvor gab es Gerüchte, dass 374-Millionen-Euro-Investor Windhorst, der nach den Vorwürfen der Spionage gegen Ex-Präsident Werner Gegenbauer ankündigte, seine 64,7 Prozent der Anteile verkaufen zu wollen, bereit sei, nochmals 100 Millionen Euro in den Klub pumpen zu wollen – nur um kurze Zeit später auf Facebook gegen Bernstein zu wettern.

Während Bernstein klarstellte, dass es kein schriftliches Angebot von Windhorsts Tennor-Firma gegeben habe, versprach Bobic dem Gegenbauer-Nachfolger volle Rückendeckung: „Ich befinde mich mit Tom Herrich (Geschäftsführer, Anm. d. Red.) und Kay Bernstein jeden Tag im Austausch. Wir gehen das Thema geschlossen  an und werden das auch sauber, offen und transparent, so wie unsere Mitglieder und Fans das von uns verlangen, abarbeiten.“

Herthas Windhorst-Zoff: Fredi Bobic scheitert als Brückenbauer

Gelassen bleibt Bobic auch, ob Hertha in Zukunft durch den Bruch mit Windhorst erneut finanzielle schwierige Zeiten drohen. „Es bricht ja nichts weg von einem Investor. Der Investor hat ja bezahlt. Das sind die Fakten. Er hat 374 Millionen Euro bezahlt.“

Klar ist: Hertha BSC wird das unmoralische Angebot von Windhorst, die Anteile für 374 Millionen Euro zurückzukaufen, nicht annehmen. Bobic mit einem Lächeln: „Das werden wir natürlich nicht tun. Das Geld haben wir nicht und das sind Fragen, die in Zukunft beantwortet werden.“

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So cool wie Bobic den Windhorst-Wirbel moderiert, zeigt sich Herthas Boss auch selbstkritisch. Trotz vieler Gespräche mit Windhorst konnte er den Finanzjongleur nicht einfangen. Bobic: „Obwohl es nicht meine Hauptaufgabe ist, wollte ich immer Brücken bauen zwischen denen, die sich nicht so gut verstehen. Das ist mir zum Teil nicht gelungen. Das muss man ehrlich sagen. Die Probleme waren aber auch viel tiefgründiger, als dass ich sie als Person alleine hätte lösen können.“

Fredi Bobic: Hertha kann auch ohne Windhorst

Wie Hertha ohne Windhorst wirtschaften wird, erklärte Bobic auch: „Wir probieren, einen Transferüberschuss zu erzielen, sodass wir am Ende des Tages Profit machen und Teile davon wieder in die Mannschaft investieren.“ Bobics einfaches Rezept: „Wenn wir erfolgreicher Fußball spielen, besser in der Tabelle stehen, klettern wir im TV-Ranking und verdienen auch Geld.“

Sportlich sieht Bobic das Team von Trainer Sandro Schwarz auf einem guten Weg: „Der erste Spieltag (1:3-Pleite im Derby beim 1. FC Union, Anm. d. Red.) ging total in die Hose. Seitdem sieht man viele positive Aspekte. Wir wachsen enger zusammen und spüren einen guten Flow.“

Deswegen drohe Hertha BSC auch nicht, durch den Spionage-Skandal auseinanderzubrechen. Bobic: „Letztes Jahr hätte uns das mehr umgehauen. Dieses Jahr, wie wir uns aufgestellt haben nach dem Wechsel im Präsidium, habe ich nicht das Gefühl, dass uns das umhaut.“

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