Mund abputzen, weitermachen? Die Spieler von Hertha BSC lassen auch am 25. Spieltag und in höchster Not mal wieder fast alles vermissen.
Mund abputzen, weitermachen? Die Spieler von Hertha BSC lassen auch am 25. Spieltag und in höchster Not mal wieder fast alles vermissen. foto2press/imago

Hertha BSC taumelt dem Abstieg entgegen. Nach dem völlig verdienten 1:3 bei der TSG Hoffenheim und einer insgesamt extrem mageren Punkteausbeute in der Rückrunde gehen die Profis hart mit sich selbst ins Gericht. Gut, Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, könnte man meinen. Das Problem: So sehr die Anhänger die Hoffnung auf eine Reaktion im Abstiegskampf nicht aufgeben wollen, sie verlieren trotz der Aufwachparolen der Spieler den Glauben an den Klassenerhalt!

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Erst trauten die Fans von Hertha BSC angesichts des desolaten Auftritts bei der TSG Hoffenheim ihren Augen nicht, dann waren auch noch die Ohren dran. Denn was die Hertha-Profis nach Abpfiff von sich gaben, wirkte für viele Anhänger noch unbegreiflicher als die Nichtleistung beim zuvor 14-mal in Serie sieglosen Dorfklub. 

Beispiele gefällig? Kapitän Marvin Plattenhardt: „Unsere Fehler müssen wir deutlich ansprechen. Wir hatten zu viele Ballverluste und waren in den Zweikämpfen nicht immer präsent.“ Prince Boateng, zuletzt dreimal überhaupt nicht im Einsatz, stand im Kraichgau immerhin mal wieder 25 Minuten auf dem Platz und wütete: „Das war einfach zu wenig. Wir waren nicht im Spiel und verschenken Elfmeter – dafür gibt es keine Entschuldigung. Hoffenheim war bissig und hat den Abstiegskampf angenommen, wir noch nicht. Wir müssen in die Köpfe kriegen, dass wir dort unten stehen.“ 

Die Spieler von Hertha BSC nehmen den Abstiegskampf nicht an

Wie bitte? Dass das offenbar am 25. Spieltag und auf Platz 16 liegend noch nicht bei jedem Spieler angekommen ist, macht viele Fans fassungslos. Erst recht, weil sich das Team von Trainer Sandro Schwarz auf Einladung von Geburtstagskind Boateng unter der Woche noch auf den Abstiegskrimi einschwor und die Situation alles andere als neu ist.

Frust pur: Torhüter Oliver Christensen muss fast jede Woche mit ansehen, wie seine Vorderleute bei Hertha BSC einen Elfmeter verschulden.
Frust pur: Torhüter Oliver Christensen muss fast jede Woche mit ansehen, wie seine Vorderleute bei Hertha BSC einen Elfmeter verschulden. Jan Huebner/imago

Die Aussagen der Spieler wirkten eher so, als wäre Hertha BSC wie die TSG Hoffenheim nach stabilen und sorgenfreien Jahren ganz plötzlich in den Abstiegskampf gerutscht. Doch das Gegenteil ist bekanntlich der Fall.

Wie Hamburg und Bremen: Hertha BSC droht der Abstieg 

Seit vier Jahren leidet jeder, der es mit Hertha BSC hält. Die vergangenen drei Spielzeiten wurde bis zum letzten Spieltag – vergangene Saison sogar erst in der Relegation – gezittert. Deswegen, aber vor allem aufgrund der Aufwachparolen der Profis, wird vielen Anhängern nun mehr als mulmig.

Vielen dämmert, dass Hertha das gleiche Schicksal droht wie einst dem Hamburger SV oder Werder Bremen. Jahrelang steckten die beiden einstigen Schwergewichte im Tabellenkeller, sprangen dem Abstieg immer noch gerade so – oder eben auch erst in der Relegation – von der Schippe und mussten am Ende doch den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten.

Bei Hertha BSC müssen die Profis ihren Worten endlich Taten folgen lassen 

Insofern macht auch das von Plattenhardt geforderte Wachrütteln wenig Hoffnung: „Es sind noch einige Spiele auszutragen und wir wissen alle Bescheid: So etwas wie in dieser Partie darf uns nicht mehr passieren.“

Cheftrainer Schwarz spricht Klartext, stärkt aber auch seinen Profis den Rücken: „Die Leistung war enttäuschend und frustrierend und überhaupt nicht das, was wir uns vorgestellt und gewünscht haben. Das unterschreibe ich alles. Aber ich unterschreibe nicht, dass die Mannschaft den Abstiegskampf nicht annimmt oder irgendetwas schönredet. Der Gefahr sind sich hier alle total bewusst. Keiner glaubt, dass sich das alles schon irgendwie von allein regelt. Wir wissen, was Abstiegskampf bedeutet, wir müssen eine andere Leistung bringen und eine andere Haltung zeigen.“

Der Trainer weiter: „Wir sind uns der Gefahr total bewusst und wissen, was Abstiegskampf bedeutet. Das sehe ich den Jungs in der Kabine auch an. Da läuft keine Mallorca-Musik, das ist genau die Haltung, die wir brauchen. Dafür sehe ich die Jungs, dafür fühle ich sie jeden Tag, wie sie mit der Situation umgehen.“

Obwohl viele Hertha-Fans den Glauben an den Klassenerhalt verloren haben, bleibt ein kleiner Restfunken Hoffnung, dass die Spieler endlich ihren Worten auch Taten folgen lassen ... 

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