Frank Zander vermisst das Singen seiner Hertha-Hymne in der Ostkurve. Jetzt fordert er die Fans auf, von zu Hause mitzumachen. imago

Am Sonntag rief mich Frank Zander an. Der Entertainer, Schöpfer der Hertha-Hymne und eines der letzten Berliner Originale erzählte mir von seiner neuesten Idee. „Wir müssen doch meiner Hertha Mut machen in dieser beschissenen Situation.“

Sein Vorschlag: „Ich werde in den nächsten Tagen einen Aufruf an die Hertha-Fans starten, damit sie – die schon lange nicht mehr ins Stadion gehen können – wieder sichtbarer werden. Wir alle sollten unsere schöne Hymne ‚Nur nach Hause‘ gemeinsam für die Mannschaft singen. Schickt mir Videos von euch, wie ihr die Hymne singt, am besten mit einem Hertha-Schal in der Hand. Wir werden versuchen, daraus ein großes Video zu bauen, und es später auf allen Kanälen und Plattformen veröffentlichen.“

Ich finde die Geschichte durchaus originell und hoffe, dass sie auch verwirklicht werden kann. Jeder Mutmacher kann helfen in dieser vertrackten Lage. Die Mannschaft steckt noch bis Donnerstag in Quarantäne, muss ab 3. Mai sechs Duelle binnen 20 Tagen austragen. Gab es denn schon einmal ähnliche Situationen, in denen die Hertha Spiele im Drei-Tages-Rhythmus absolvieren musste?

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Ja, natürlich, aber total abgeschottet in Quarantäne war zuvor – Gott sei Dank – noch keine Hertha-Mannschaft. Inspiriert vom Vereins-Archivar Frank Schurmann und dessen „Fundstücken“ aus dem virtuellen Hertha-Museum habe ich Statistiken gewälzt und Zeitzeugen befragt.

1970 stand die Liga unter Zeitdruck, weil die WM in Mexiko schon am 31. Mai begann. Der letzte Spieltag der Bundesliga fiel auf den 3. Mai. Hertha besiegte Werder Bremen mit 4:1 und landete auf Rang 3 der Liga!

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Zwischen dem 4. März und 25. April musste die Mannschaft binnen 53 Tagen 15 Pflichtspiele absolvieren – in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und im Messecup. „Wir haben den Drei-Tages-Rhythmus schnell angenommen“, sagte mir nun Uwe Witt, der Kapitän des Teams. Zwischen dem 21. März und dem 11. April gab es sieben Ligaspiele innerhalb von 22 Tagen. Die Bilanz: drei Siege, zwei Remis und zwei Niederlagen.

Uwe Witt: „Unser Trainer ‚Fiffi‘ Kronsbein, ein strenger Typ, hat damals zwei Teams gebildet. Vier, fünf Stammspieler waren in jedem Duell dabei, sonst wurde rotiert. Es gab keinerlei böses Blut, keine Eitelkeiten. Alle zogen an einem Strang!“

Auch 1979 war es der Monat März, in dem Hertha um die Klub-Legende Erich Beer binnen 18 Tagen sechs Spiele austragen musste – vier in der Liga und zwei im Uefa-Cup. In der Liga gab es drei Niederlagen und einen Sieg gegen den MSV Duisburg. Im Uefa-Cup schaffte das Team ein 1:1 und einen 2:1-Erfolg gegen Dukla Prag und zog ins Halbfinale des europäischen Wettbewerbs ein. Erich Beer: „Viele Spiele in kurzen Abständen sind zu verkraften. Aber in der jetzigen Situation ist der Erfolg, also der Klassenerhalt nur über eine starke Teamleistung zu schaffen. Das erste Spiel in Mainz muss gewonnen werden.“

Dardai wie Kronsbein? 

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Zwanzig Jahre später wartete auf Hertha unter Trainer Jürgen Röber im September 1999 ein Härteprogramm mit sechs Spielen in 18 Tagen, verbunden mit Reisestrapazen nach Istanbul und Mailand. Eine Niederlage in der Liga, dazu zwei Remis sprangen heraus, aber sehr beachtliche Erfolge als Neuling in der Champions League – ein 2:2 bei Galatasaray Istanbul, ein 2:1-Sieg gegen Chelsea London und ein 1:1 beim AC Mailand in San Siro.

Für Röber ist ein Drei-Tages-Rhythmus für Profis kein Problem. Er sagte mir: „Das muss man abkönnen. Als ich einst bei Nottingham Forest in England gespielt habe, ging es nur im Rhythmus Sonnabend-Mittwoch-Sonnabend.“

Das alles sind Beispiele aus vergangenen Zeiten, kleine Mutmacher immerhin, aber eben doch nicht richtig mit der aktuellen Lage zu vergleichen. Pal Dardai sagt: „Wir haben alles in der eigenen Hand.“ Ich kann mir vorstellen, dass er einen ähnlichen Plan im Kopf hat wie einst der legendäre Trainer „Fiffi“ Kronsbein.