Bruno Labbadia war nach dem 0:1 in Bielefeld angefressen. Doch noch hält er sich mit seinem Frust zurück.  Foto: dpa

Statt einen Angriff nach oben zu starten, rutscht Hertha BSC immer weiter in die Krise. Vor dem blutleeren 0:1 bei Abstiegskandidat Bielefeld hatte Bruno Labbadia seine Spieler auf das Kampfspiel vorbereitet, doch die blau-weißen Profis nahmen es nicht richtig an. Wie lange macht der Trainer das noch mit? Wann explodiert Labbadia?

Einen Tag nach einem weiteren Rückschlag in dieser Saison bemühte sich der Coach um Contenance. Doch bei jedem Satz spürte man, dass es in ihm brodelt. „Der Morgen ist nach so einer Niederlage für mich persönlich noch schlimmer. Wir haben eine Chance liegen gelassen, um uns hinten abzusetzen. Es bringt nichts, wenn man etwas beschönigt. Die Enttäuschung ist riesengroß“, erklärte Labbadia.

Herthas Spiel auf der Alm kann man kurz so zusammenfassen: ideenlos, langsam, offensiv- und reaktionsschwach. Kernproblem bleibt das Mittelfeld: Lucas Tousart ging unter und Matteo Guendouzi hatte ein schlechten Tag – wie so viele andere auch.

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Eigentlich war Labbadia optimistisch nach dem 3:0-Sieg gegen Schalke nach Ostwestfalen gefahren und sagte: „Es war kein Anzeichen für so ein enttäuschendes Spiel da. Die Jungs haben konzentriert trainiert in der Woche.“ Der Auftritt hinterlässt deswegen so viele Fragen – auch beim Trainer. „Ich kann es nicht erklären. Das heißt aber nicht, dass ich ratlos bin.“

Muss er den Ton gegenüber den Spielern verschärfen, damit sie endlich kapieren, dass sie die Hauptverantwortung für die Tabellensituation haben? Labbadia bleibt noch ruhig: „Ich habe solche Situationen als Trainer schon oft gehabt und ich bin da wieder rausgekommen. Du musst entscheiden: Haust du jetzt nur rein? Ich bleibe bei klaren Ansagen. Ich hab es den Spielern gesagt: Wir waren top vorbereitet, haben es dann nicht umsetzen. Das ist Shit! Wir haben in dieser Saison schon scheiße viel liegen gelassen.“

Der Ton wird schon rauer und Labbadia noch ehrlicher: „Du musst als Trainer viel Geduld mitbringen. Ich bin eigentlich kein so geduldiger Mensch. Das musste ich als Trainer lernen. Wir brauchen Fingerspitzengefühl.“

Der Coach muss abwägen. Wenn er zu sehr brüllt, könnten die Spieler noch mehr verkrampfen. Labbadia will aus den Profis einen gesunden Trotz herauskitzeln: „Wir sind im Dreck gelandet und müssen wieder aufstehen.“ Das muss schon am Sonnabend in Köln passieren, sonst wird Labbadia endgültig seine Geduld verlieren.