Peter Pekarik (r.) liefert für Hertha BSC jedes Jahr ab. Kurzzeit-Trainer Jürgen Klinsmann (l.) sah das bekanntlich anders.  Imago

Von Herthas ehemaligem Kurzzeit-Trainer Jürgen Klinsmann stammt folgende Einschätzung eines Profis in seinen berühmt-berüchtigten Protokollen, nachdem er den Verein fluchtartig durch die Hintertür verlassen hatte: „Toller Teamspieler, aber kein Mehrwert für die Zukunft.“

Von diesem Spieler, um den es ging, sieht man tatsächlich weder spektakuläre Flugkopfbälle noch wunderschöne Tore ­– auch keine bösen Fouls oder überharte Tacklings. Der Mann, der angeblich keinen Mehrwert besitzt, ist Abwehrspieler und ich möchte ihn hier an dieser Stelle als Schattenmann titulieren, also als jemanden, der eine nicht unwichtige Rolle spielt, sich dabei aber stets im Hintergrund hält. Es geht um den Slowaken Peter Pekarik, der am zurückliegenden Sonnabend seinen 35. Geburtstag feierte. Klinsmann ist schon lange weg aus Berlin, Pekarik aber immer noch da. Und wie!

Peter Pekarik, Herthas Konstante 

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Er ist ein stiller, immer zuverlässiger Arbeiter auf dem Platz, der äußerst selten im Rampenlicht steht – ohne den aber Hertha etwas fehlen würde. Der immer freundliche Spieler – ich habe ihn nie mit schlechter Laune erlebt – ist so etwas wie die Konstante im Team und deshalb ein leuchtendes Beispiel für eine leider selten gewordene Eigenschaft – die Vereinstreue.

Im Sommer 2012, als Hertha nur Wochen zuvor nach der unsäglichen Relegation gegen Fortuna Düsseldorf (1:2; 2:2) in die Zweite Liga abgestiegen war, kam Pekarik, genannt „Peka“, vom VfL Wolfsburg nach Berlin. 2009 war er unter Trainer Felix Magath mit den „Wölfen“ Deutscher Meister geworden. Niemand anderes im Aufgebot der Hertha kann diesen Titel in seiner Vita aufweisen. Wenn der Rechtsverteidiger im Sommer nächsten Jahres seinen Vertrag bei Hertha erfüllt hat, gehört er zehn Jahre (!) zum Team.

Peter Pekarik erlebte nach seinem Wechsel zu Hertha BSC bereits 2013 das erste Derby gegen den 1. FC Union.  Imago

Sechs Trainer erlebte er dabei: Jos Luhukay, Pal Dardai, Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri und Bruno Labbadia. Pekarik ist im Kader der dienstälteste Hertha-Profi. Als Langzeit-Herthaner gehört er bald in eine Reihe mit Pal Dardai, der 14 Jahre im blau-weißen Trikot wirbelte oder mit dem Holländer Dick van Burik, der zehn Jahre der Berliner Defensive als Abwehrchef Halt gab (1997 bis 2007).

Solch Vereinstreue muss man heute in der Liga mit der Lupe suchen, für den Slowaken kein großes Ding. „Ich fühle mich wohl im Verein und in Berlin“, sagte Pekarik, der nun bereits seinen dritten oder vierten „Frühling“ als Profi erlebt.

Pekarik zieht mit Kiraly gleich

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Seine Berliner Karriere gleicht dem ständigen Auf und Ab des gesamten Vereins. In einigen Spielzeiten – unter Luhukay, unter Dardai und unter Labbadia – absolvierte er als Stammkraft das Gros der Duelle, später gab es längere Phasen als Bankdrücker, die Pekarik klaglos hinnahm, aber noch intensiver trainierte, um wieder ins Team zu rutschen.

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Herthas Peter Pekarik, hier im Duell mit Kroatiens Ausnahmefußballer Luka Modric, kommt bereits auf 108 Länderspiele für die Slowakei. 

Bei der 0:2 -Niederlage in Hoffenheim absolvierte er sein 164. Erstligaspiel für Hertha, dazu kommen 19 Duelle in Liga zwei. Ohne große Schlagzeilen zu produzieren, zog er nun sogar international mit einem anderen ehemaligen Hertha-Profi gleich. Er steht bei stattlichen 108 Länderspielen für die Slowakei. Kult-Keeper Gabor Kiraly beendete einst seine Karriere mit 108 Länderspieleinsätzen für Ungarn. Nur ein weiterer Profi, der für Hertha spielte, schaffte es in den Zirkel der „Hunderter“: Lewan Kobiaschwili, der 100 Länderspiele für Georgien bestritt und seit 2016 Präsident des Georgischen Fußball-Verbandes ist.

Pekarik sagt, Professionalität sei wichtig wie etwa eine gesunde Ernährung, eben eine Lebensweise, die ihn lange auf hohem Niveau Fußball spielen lässt.

Ich habe lange im Archiv nach größeren Stories über Pekarik gesucht, diese aber nicht gefunden. Der Slowake ist und bleibt ein Schattenmann, ein Spieler, der sein Ego hintenanstellt, hart und fleißig arbeitet und mit seiner Spielweise, auch die Voraussetzung schafft, damit andere glänzen können. Ohne solche Profis wäre der Fußball ärmer, auch das Team der Hertha. 

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