Hertha-Maskottchen Herthinho erlebt die Krisenjahre hautnah, sah Jürgen Klinsmann kommen und fliehen – und hofft nun auf Felix Magath. Foto: Imago (2), dpa

Ganz Fußball-Deutschland rätselt über Hertha BSC. Warum kommt der seit 2019 von Investor Lars Windhorst mit 374 Millionen Euro vollgepumpte und „Big City Club“ getaufte Verein nicht in die Gänge? Ob Trainer, Spieler oder Manager: Wer bei den Blau-Weißen aufschlägt, ist kurze Zeit später nicht mehr wiederzuerkennen. Auweia, Hertha BSC ist der Schlechtermacher!

Die akuten Abstiegssorgen, die sich nach dem Derby-Debakel gegen den 1. FC Union nochmals verdoppelt und verdreifacht haben, sind fünf Spieltage vor Schluss für die Hertha-Fans nichts Neues. Seit Jahren verpuffen alle zu Saisonbeginn geschöpften Hoffnungen, am Ende wird viel mehr gelitten als gejubelt. Beispiele dafür gibt es in den vergangenen drei Spielzeiten genug.

Jürgen Klinsmann: Als Deutschlands Strahlemann bei Hertha im November 2019 anheuert, sind sich fast alle sicher: Klinsi wird die Blau-Weißen wieder auf Kurs bringen. Drei Monate später schrieb sich Klinsmann den Hertha-Frust bei Facebook von der Seele und kommt seit seinem kuriosen Abgang bis heute nicht mehr wirklich auf die Beine.

Fredi Bobic: Bei Hertha wieder Krisenmanager

Fredi Bobic: Die Vorfreude auf den Erfolgsmanager ist nach der Ära Michael Preetz und dem gewonnenen Tauziehen mit Eintracht Frankfurt gigantisch. Doch die Aufbruchstimmung bei Bobic und bei Hertha ist schnell dahin. Erst staunte der einstige Goalgetter über die leere Klubkasse, dann nahm er den Kader im Sommer auseinander und bekam ihn auch im Winter nicht mehr gekittet. Hertha zittert mal wieder um den Klassenerhalt, und Bobic ist nach den ungeplanten Abschieden von CEO Carsten Schmidt und Sportdirektor Arne Friedrich plötzlich wieder Krisenmanager.

Felix Magath: Wenn es einer schafft, Hertha zu retten, dann die Trainerlegende. Dachten sich viele. Nur drei Spiele später und nach dem Derby-Debakel gegen den 1. FC Union ist nicht nur der Trainer-Effekt nach dem Rauswurf von Tayfun Korkut verpufft. Magath verzockte sich beim Personal und bei der Taktik und muss um seinen Ruf als unabsteigbare Trainerlegende bangen.

Hertha: Schwolow wackelt, Piatek trifft nicht

Alexander Schwolow: Der Torhüter galt vor seinem Wechsel über Jahre hinweg als einer der besten Keeper der Liga. Kaum in Berlin, fängt Schwolow an zu wackeln. Während Ersatzmann Marcel Lotka glänzt, ist der derzeit verletzte Schwolow bei Hertha nicht mehr unumstritten und entsprechend nur noch einen Bruchteil von den acht Millionen Euro wert, die Hertha einst für ihn an den SC Freiburg überwies.

Lucas Tousart: Der Franzose trumpfte beim Champions-League-Teilnehmer Olympique Lyon auf, traf im Viertelfinale 2019 zum entscheidenden 1:0 gegen Juventus Turin und spielte sich mit seiner dominanten Art im Mittelfeld sogar in den Fokus der französischen Nationalmannschaft. Bei Hertha wirkt Tousart seit Tag eins gehemmt, zeigt nichts mehr von seinen Fähigkeiten. Entsprechend ist der 25-Millionen-Einkauf nach zwei blau-weißen Gurkenjahren nur noch ein Drittel seines Geldes wert.

Krzysztof Piatek: Der Stürmer kam mit einer fantastischen Torquote für satte 22 Millionen vom AC Mailand – und bei Hertha nie zurecht. Nicht unter Klinsmann, Bruno Labbadia, Pal Dardai oder Korkut. Kaum weg (verliehen an Florenz), trifft er seit seinem Winter-Wechsel nach Italien wieder wie er will. Von der zweithöchsten Ablöse der Klubgeschichte sieht Hertha wohl nur noch die Hälfte wieder.

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