Wollen Hertha BSC voranbringen: Sportdirektor Arne Friedrich, Manager Fredi Bobic und Cheftrainer Pal Dardai (v.l.).  City-Press

Irgendwie kam mir alles sehr bekannt vor. Wie ein alter Film, der zum x-ten Mal wiederholt wird. So wie derzeit bei ARD und ZDF üblich.

Nach der 0:5-Pleite der Hertha in München erlebte ich ein Déjà Vu. Mit Hertha ist es immer das Gleiche – egal, in welcher Besetzung die Mannschaft spielt, egal, wer gerade als Trainer das Sagen hat - beim FC Bayern ist kein Kraut gewachsen. Und das seit nunmehr 44 Jahren! Auch nach diesem miserablen Wochenende für Hertha bleiben die Namen dieser legendären einstigen Profis wie in Stein gemeißelt in der Historie des Klubs: Norbert Nigbur, Michael Sziedat, Uwe Kliemann, Holger Brück, Hanne Weiner, Dieter Nüssing, Wolfgang Sidka, Erich Beer, Jörgen Kristensen, Karl-Heinz Granitza, Gerhard Grau und der eingewechselte Bernd Gersdorff.

Granitza vermisst echte Typen bei Hertha BSC 

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Diese mutigen Spieler schafften am 29. Oktober 1977 einen 2:0-Auswärtssieg beim FC Bayern nach Treffern von Grau und Gersdorff. Es ist bis zum heutigen Tag der letzte und insgesamt lediglich zweite Erfolg einer Hertha-Mannschaft in der Bundesliga bei den Bayern seit 1963 geblieben. Eigentlich unfassbar.

Der ehemalige Torjäger Karl-Heinz Granitza, 69, ist nicht etwa stolz auf das ewige Alleinstellungsmerkmal. „Nein, überhaupt nicht“, sagte er mir nach der jüngsten Enttäuschung in München, „mir fehlen im Augenblick im Team von Pal Dardai die vor der Saison angekündigten Charakter-Spieler.“

Dardai selbst klagte: „Jeder war auf dem Platz mit sich selbst beschäftigt.“ Das ist nicht neu und war es auch oft so bei den zahlreichen Niederlagen in den beiden Jahren zuvor. Irgendwie gleicht die aktuelle Saison einer Zeitreise in die jüngste Vergangenheit der Mannschaft unter dem Motto: „Täglich grüßt das Murmeltier“. Als Dardai in größter Not die Mannschaft Ende Januar 2021 übernahm, fand er in der Kabine Spieler vor, die vor allem für sich selbst glänzen wollten. Das konnte der 45-Jährige ändern – zumindest kurzeitig – und den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag sichern. Eine funktionierende Achse fand er nicht vor. Und das gilt leider bis heute. Wieder solch ein Déjà Vu.

Windhorst-Kohle bringt Hertha keinen Ertrag

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Immer wieder werden mir nun Fragen gestellt – von Freunden und Bekannten, was Hertha mit den 375 Millionen Euro gemacht hat, die Investor Lars Windhorst in den Verein gepumpt hat. Zweimal Kampf um den Klassenerhalt und aktuell der letzte Rang in der Liga sind bislang das sportliche Resultat. Die Millionen sind in Ablösesummen und Gehälter für die Spieler geflossen, in die Infrastruktur des Klubs, in die Tilgung von Verbindlichkeiten und um die erheblichen Verluste der Corona-Krise auszugleichen.

Dennoch: Hertha hat seit 2019 knapp 160 Millionen Euro in Transfers investiert, allein das Duo Michael Preetz/Jürgen Klinsmann holte im Januar 2020 vier Profis für 77 Millionen Euro. Damals ein Weltrekord, aber ohne Wert! Die teuren Lucas Tousart, Krzysztof Piatek und Santiago Ascacibar haben bislang nicht vollends überzeugt und der Vierte im Bunde, Matheus Cunha , wurde für 30 Millionen Euro verkauft. Sportlich eine Schwächung.

Droht Hertha wieder Abstiegskampf? 

Der Kauf teurer Profis hat bislang keinen Erfolg gebracht. Wie im Vorjahr fehlen dem Team widerstandfähige, stressresistente Typen. Sportchef Fredi Bobic hat zuletzt im Dreitages-Rhythmus neue Spieler verpflichtet. Auch am Deadline-Day sollte noch ein „Knaller“, im besten Fall ein Mentalitätsspieler, nach Berlin kommen. Bobic zog noch Nizza-Stürmer Myziane Maolida an Land. Doch Hertha verpokerte sich auch. Der bereits ausgehandelte Deal mit Samu Castillejo (26) vom AC Mailand platzte in letzter Minute. 

Nun muss Dardai, der öffentlich machte, nicht an seinem Job zu hängen, binnen zwei Wochen in der Länderspielpause den Re-Start einleiten. Ohne seinen besten Fußballer (Cunha), ohne seinen besten Stürmer (Cordoba) und ohne seinen schnellsten Angreifer (Lukebakio). Eine Aufgabe, die genauso schwierig ist, wie zuletzt die Rettung vor dem Abstieg.

Auf noch ein Déjà Vu, den dauerhaften Kampf um den Klassenerhalt, möchte ich aber gerne verzichten. 

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