Salomon Kalou brachte sich um den Abschied, den er eigentlich verdient gehabt hätte. imago-images/Metodi Popow

Was für ein Jahr. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zwölf Monate lang hielten Hertha BSC und der 1. FC Union die Hauptstadt in Atem. Langweilig war echt anders! Hier vier Trainer in einer Spielzeit, Stadtmeisterschaft, Geldsegen von Lars Windhorst, verbunden mit dem Ziel, sich endlich im Konzert der Großen zu etablieren. Dort wackerer Abstiegskampf, vorzeitige Rettung und der Abtritt eines Urgesteins. All das in Zeiten von Corona. Geisterspiele statt begeistertem Publikum. Schön ist anders. Doch am Ende lagen die Hauptstadt-Rivalen in der Tabelle friedlich nebeneinander, getrennt nur durch die Tordifferenz. Das hätten beim Ligastart im August 2019 wohl nur wenige für möglich gehalten. Seit Dienstag lesen Sie im KURIER die großen Serien über Hertha und Union.

Teil 4: Es ist Freitag, der 13. März. Es wird ein Unglückstag für den Fußball. Herthas Spieler sind am Nachmittag im Mannschaftsbus auf dem Weg zum Flughafen. Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim. Noch bevor sie den Airport erreichen, kommt die Nachricht: Die Partie ist abgesagt! Der gesamte Spieltag ist gestrichen. Ein ganzes Land ist in Corona-Alarm.

Die DFL hatte bis kurz vor Anpfiff des Freitagabendspiels gehofft, dass es zumindest Geisterspiele geben könnte. Doch die Pandemie-Lage ist zu gefährlich. Das Virus greift um sich. Auch bei Hertha. Maximilian Mittelstädt saß an dem Freitag schon nicht mehr im Bus, weil er Fieber hatte. Vier Tage später stellt sich heraus: Mittelstädt hat sich mit Corona infiziert. Die gesamte Mannschaft muss zwei Wochen in häusliche Quarantäne, obwohl sich kein weiterer Spieler angesteckt hat. Die gesamte Liga kommt beim Trainingsbetrieb nach und nach wegen des allgemeinen Kontaktverbots in Deutschland zum Erliegen.

Erst am 7.April darf wieder in Achtergruppen und ohne Zweikämpfe trainiert werden. Als sich die blau-weißen Profis auf dem Vereinsgelände zeitlich versetzt treffen, fehlen Niklas Stark und Marius Wolf. Beide müssen nochmal in Quarantäne, weil sie Kontakt zu einer Corona infizierten Person hatten. Auch Trainer Alexander Nouri ist nicht da. Viele ahnen: hier ist etwas im Busch. Einen Tag später ist Nouris Zeit beendet und Bruno Labbadia übernimmt.

Kalou schießt quer

Er hat damit den schwierigsten Job in der Bundesliga übernommen. Retter und Visionär für die Zukunft, bei gleichzeitiger Trainingseinschränkung. Dazu reduzierter Kontakt zu den Spielern wegen der Corona-Auflagen. Es ist schwierig bei den Bedingungen, die Mannschaft näher kennenzulernen. Er schafft es trotzdem in den nächsten fünf Wochen.

Doch ein Spieler schießt komplett quer. Kurz vor dem Restart der Liga dreht Salomon Kalou durch und macht am 4. Mai ein Live-Video auf Facebook aus der Kabine. Dabei verstößt er gegen Abstandsregeln wegen Corona und – noch schlimmer – gegen die Anstandsregeln jeder Mannschaft. Kabine ist das Heiligtum, nichts soll nach außen dringen. Der Ivorer wird suspendiert, auch wenn er seinen schlimmen Fehler einsieht und sich entschuldigt. Seine tolle blau-weiße Zeit über sechs Jahre hat der 34-Järige mit einer Dummheit selbst kaputtgemacht. Hertha ist mal wieder die Lachnummer in ganz Deutschland. Doch nicht sehr lange, weil es plötzlich dank Labbadia wieder läuft.

Lesen Sie am Sonnabend: Wie Labbadia zum Problemlösebär wurde.