Vedad Ibisevic (35) blickt zwar kritisch auf diese Hertha-Saison, aber voller Hoffnung in die Zukunft. Foto: Imago Images

Berlin - Der graue Leitwolf bleibt bissig! Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (35) verschwendet in der Corona-Krise keinen Gedanken an ein Karriere-Ende. Der Stürmer freut sich auf die erneute Arbeit mit Bruno Labbadia (54). Die turbulente blau-weiße Saison ist für den erfahrenen Bosnier selbst nach 16 (!) Profi-Jahren schwer zu fassen.

 „Unsere gesamte Saison ist eine komplette Ausnahmesituation. Die vielen Trainerwechsel und jetzt die Pause wegen des Virus’. Da ist schon einiges auf uns zugekommen“, erklärt Ibisevic in einer Online-Medienrunde.  

Dass nun Labbadia nach Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri die Richtung vorgibt, hat ihn „überrascht. Weil ich aber Bruno gut kenne, habe ich mich sehr gefreut“, sagt Ibisevic mit breitem Grinsen.

Ich merke, dass er sich taktisch weiterentwickelt hat, variabler ist und uns neue Lösungen aufzeigt.

Vedad Ibisevic über Hertha-Trainer Bruno Labbadia

Zweieinhalb Jahre coachte Labbadia ihn beim VfB Stuttgart. Das ist mittlerweile fast sieben Jahre her. „Seine Ansprache und Führungsstil haben sich nicht verändert“, schildert Ibisevic seine Eindrücke nach drei Trainingstagen. „Er ist sehr diszipliniert, arbeitet so hart, wie er es schon als Spieler getan hat. Dazu hat er eine klare Vorstellung, was er will“, berichtet der Bosnier: „Ich merke, dass er sich taktisch weiterentwickelt hat, variabler ist und uns neue Lösungen aufzeigt.“

Der Hesse holte ihn damals aus Hoffenheim zum VfB – und prägte ihn. „Ich habe viel von ihm gelernt“, erzählt der Angreifer, der damals in 48 Spielen 24 seiner bisher 123 Bundesliga-Tore erzielte. „Als ehemaliger Torjäger versteht er uns Stürmer. Er weiß, was wir durchmachen, wenn man eine Torkrise hat“, lobt Ibisevic. Dazu komme, dass Labbadia anders als zuletzt Klinsmann und Nouri Offensiv-Fußball im Sinn hat: „Das ist gut für uns Stürmer. Aber unter Bruno müssen alle arbeiten. Er ist sehr fordernd und nie zufrieden.“

Endlich wieder Offensiv-Fußball

Kennen und schätzen sich: Ibisevic begrüßt Bruno Labbadia 2015 im Olympiastadion.
Foto: Koch

Das probiert er den Blau-Weißen nun jeden Tag zu vermitteln – wenn auch wegen der Corona-Auflagen weiter nur in Kleingruppen und ohne Körperkontakt. „Das ist schwierig, aber besser als das viele Fahrradfahren zu Hause“, erinnert sich Ibisevic an die Quarantäne-Zeit.

Die Sehnsucht und Hoffnung, dass die Liga wieder losgeht, ist beim Vollblut-Profi natürlich enorm groß. Dass der Fußball der Gesellschaft ein Stück Normalität zurückgeben kann, glaubt Ibisevic: „Wir Spieler haben erlebt, wie es ist, zu Hause zu sitzen und keinen Sport im Fernsehen zu sehen. Das war traurig.“

Giovane Elber als Ansporn

Traurig könnte auch sein vielleicht letztes Hertha-Spiel werden. Vor einer Geisterkulisse, ohne Fans. Sein Vertrag läuft genauso aus, wie bei Per Skjelbred (32) und Salomon Kalou (34) und einigen anderen. „Uns ist bewusst, dass es so zu Ende gehen kann“, sagt Ibisevic trocken.

Auch, weil er definitiv noch nicht genug hat. „Ich habe weiter richtig Bock auf Fußball“, erklärt er. Ein Ansporn ist dabei auch Platz 3 in der ewigen Liga-Tabelle der besten ausländischen Torjäger. Zehn Tore fehlen ihm noch, um Giovane Elber (133) einzuholen. „Das wäre doch was. Giovane ist einer der besten aller Zeiten gewesen.“

Ob ihm das im Hertha-Trikot oder bei einem anderen Klub gelingt, wird sich zeigen. Aufgrund der Pandemie steht auch der Transfermarkt still. „Wegen Corona muss ich geduldig sein“, erklärt Ibisevic, dem es da derzeit nicht anders geht wie Millionen Menschen weltweit.