Das Duell wird es am Sonntag nicht geben: Während Unions Max Kruse (l.) wieder fit ist, verpasst Herthas verletzter Abwehrchef Dedryck Boyata das Derby-Rückspiel.  Foto: Ottmar Winter

Der Couch-Countdown läuft. Sehnsüchtig fiebern Fans des 1. FC Union und von Hertha BSC trotz Corona-Pandemie dem Derby (Ostersonntag, 18 Uhr) entgegen. Wer ist der Beste in der Stadt? Der KURIER erklärt, was sich seit dem letzten Stadtduell bei beiden Klubs getan hat. Derby, wie haste dir verändert!

Die Vorzeichen lassen eigentlich jedes Fußballer-Herz schneller schlagen. Wie schon beim jüngsten Duell und Herthas 3:1-Sieg am 4. Dezember ist alles angerichtet: Ostersonntag, 18 Uhr, Flutlicht. 

Nur ist diesmal fast alles anders: Auf dem Platz liegt die Favoritenrolle erstmals bei den Unionern. 14 Punkte Vorsprung in der Tabelle sprechen eine deutliche Sprache. 

Schmerzhafte Stille 

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Nicht nur deshalb wird das Berliner Derby erneut Millionen Fans auf der ganzen Welt in den Bann ziehen. Dass statt der einzigartigen Atmosphäre im Stadion An der Alten Försterei beim Anpfiff wieder nur gespenstige Stille herrscht, tut bei solch einem Spiel besonders weh.

Schmerzhaft sind auch Unions Erinnerungen an das Hinspiel. Trotz früher Führung ging das Team von Trainer Urs Fischer am Ende im Olympiastadion baden - auch, weil Robert Andrich Herthas Lucas Tousart per Kung-Fu-Tritt niederstreckte. In Überzahlt drehte Hertha durch das Tor von Peter Pekarik und Kris Piateks Doppelpack das Prestigeduell.

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Union und Hertha trennen Tabellenwelten

Es kam noch schlimmer: Neben Andrichs Drei-Spiele-Sperre musste Union fortan für zwölf Spiele auf Taktgeber Max Kruse verzichten. Ein fieser und fetter Muskelbündelriss im Oberschenkel bremste den genialen Anführer.

Doch trotz der drei Tiefschläge blieben die Eisernen vor allem wegen ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit stabil. Auch deswegen stehen sie wie schon im Dezember tabellarisch vor dem West-Rivalen. Der nach dem Hinspiel auf fünf Zähler geschmolzene Vorsprung auf Hertha beträgt vor dem Rückspiel durch die erwähnten 14 Punkte Tabellenwelten.

Und Hertha? Statt mit dem Derbysieg im Rücken endlich in die Gänge zu kommen, lieferte der teuer aufgemotzte Kader weiter eine Enttäuschung nach der anderen ab – und ließ Trainer Bruno Labbadia hängen.

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Hertha kämpft ums Überleben

Erst mit der Rückkehr von Pal Dardai scheint der Teamgeist endlich in Takt. Der Ungar schraubte dafür mächtig an der Taktik – und der Startelf. Spieler, die zuvor aussortiert oder kaum berücksichtig wurden, geben Hertha nun Halt. Neben Torhüter Rune Jarstein sowie den Verteidigern Lukas Klünter und Marton Dardai zeigt vor allem Lucas Tousart im defensiveren System, warum Hertha für ihn 25 Millionen Euro bezahlte.

Dennoch ist die Lage in Westend weiterhin prekär. Ein Derbysieg an der Wuhle und der Gewinn der Stadtmeisterschaft würde nicht nur jeder Hertha-Seele guttun – es wären auch drei wichtige Punkte im Abstiegskampf. Und ein ganz wichtiger Schritt, damit auch im nächsten Jahr wieder ein Berliner Derby in der Bundesliga steigt – dann hoffentlich mit Fans.