Hertha-Sportchef Fredi Bobic begrüßte Investor Lars Windhorst auf der Mitgliederversammlung. So freundlich ging es danach nicht immer zu. dpa

Es knisterte gewaltig rund um das Messegelände in Westend. 2810 Hertha-Mitglieder, mehr als doppelt so viele als sonst, strömten in die Messehalle 20. Auf dem Spiel stand nach dem Rücktritts-Beben um Präsident Werner Gegenbauer und Finanz-Boss Ingo Schiller nichts weniger als die kurzfristige Zukunftssicherung des Vereins. Mit Spannung wurde auch die Rede von 374-Millionen-Investor Lars Windhorst erwartet, der mit Beifall und Buhrufen am Pult empfangen wurde. Zuvor reichte ihm Interimspräsident Thorsten Manske die Hand – nur um kurze Zeit später selbst seinen Hut zu nehmen.

Doch der Reihe nach: Zunächst erntete Manske noch Applaus und sendete klare, vor allem selbstkritische Botschaften an die Basis. „Es kann nur gemeinsam, miteinander und mit deutlich reduziertem Geräuschpegel gehen“, erklärte Manske und sprach den Mitgliedern damit aus der Seele. Manske weiter: „Hertha muss wieder deutlich anfassbarer und erlebbarer werden. Wir müssen wieder deutlich näher an die Menschen unserer Stadt und Region heran.“

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Über die Rettung in der Relegation, mit der Hertha dem Abstieg in letzter Sekunde von der Schippe sprang, sagte Manske: „Diese erfreuliche Energieleistung darf nicht über den desolaten Zustand unseres Klubs in einzelnen Bereichen hinwegtäuschen. Wir haben in der zurückliegenden Spielzeit auf und abseits des Spielfeldes keinen guten Job gemacht.“

Manske tritt zurück, Bobic dankt den Mitgliedern

Dass das in den Augen der Mitglieder auch für ihn galt, machten die Herthaner Manske klar. Immer wieder gab es Zwischenrufe, Lacher und Pfiffe. Den Abwahlantrag gegen seine Person überlebte Manske zwar noch, nahm aber das desaströse Wahlergebnis zum Anlass, seinen sofortigen Rücktritt zu erklären. Handlungsfähig bleibt Hertha dennoch. Sport-Chef Fredi Bobic dankte den Mitgliedern: „Danke, dass ich ein funktionierendes Präsidium habe, um meiner Arbeit nachzugehen.“

Bobic zog nach seiner ersten Saison ebenfalls ein selbstkritisches Fazit: „Ich fühle mich schuldig, wenn Menschen abberufen werden. Ich bin der Einzige, der das ändern kann. Aber wir haben nicht geliefert. So quälend lang die MV ist, so quälend lang war auch die Saison. Dafür trage ich die Verantwortung. Ich habe auch Fehler gemacht.“

Hertha-Boss Bobic stellt sich kein gutes Zeugnis aus

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Sportchef Fredi Bobic ging mit sich selbst, aber auch mit den von ihm vorgefundenen Strukturen bei Hertha BSC hart in die Kritik.

Herthas Kaderplaner, der mit viel Applaus, aber auch einigen Pfiffen empfangen wurde, stellte sich selbst kein gutes Zeugnis aus, verwies aber auch auf die schwierigen Strukturen, die er vorgefunden hat: „Ich habe kein Fundament vorgefunden. Nicht in der Mannschaft, nicht drumherum. Man kann nicht mit dem Dach anfangen zu bauen. Man braucht Kohle, aber die Frage ist, wie nachhaltig setze ich das ein. Als persönliche Niederlage empfinde ich, dass wir drei Trainer gebraucht haben, um die Saison zu beenden.“

Hertha-Fans pfeifen Lars Windhorst aus

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Hertha-Investor Lars Windhorst redete erstmals direkt zu den Mitgliedern und erntete dafür neben den erwartbaren Pfiffen bemerkenswert viel Applaus.

Das soll sich in Zukunft ändern. Bobic richtete seinen Blick nach vorn: „Wir müssen aufpassen, wie wir miteinander, wie wir übereinander reden. Am Ende des Tages wird es nur zusammen gehen.“

Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit Lars Windhorst, woran sich aber einige Mitglieder zunächst nicht hielten. Minutenlag stand Windhorst vor dem Pult und wurde jedes Mal ausgepfiffen, sobald er das Wort ergriff.

Lars Windhorst bekommt bei Hertha auch Applaus

Aber: Windhorsts Redeversuch bewies auch, wie zerstritten Hertha ist. Nach Ordnungsrufen des Versammlungsleiters attackierten viele Mitglieder andere Mitglieder, wollten Windhorst die Chance geben, erstmals zur Basis zu sprechen.

Beruhigen konnte Windhorst die Menge, indem er unterstrich, dass sein Geld kein Darlehen sei. „Das Geld gehört dem Verein. Ich strebe auch nicht nach der Macht. Ich will, dass Hertha erfolgreich wird. Ich kann euch versprechen, ich gehe nicht weg. Ich bin die nächsten 20 Jahre dabei“, erklärte Windhorst und erntete neben den Pfiffen bemerkenswert viel Applaus.

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